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Selbsteinschätzung einmal überdenken?

SENIOREN 

Selbsteinschätzung einmal überdenken?

Senioren am Steuer

Oft wird die eigene Unsicherheit am Steuer nicht wahrgenommen FOTO: AUREMAR - FOTOLIA.COM
Oft wird die eigene Unsicherheit am Steuer nicht wahrgenommen FOTO: AUREMAR – FOTOLIA.COM
Mit dem Auto mobil bis ins hohe Alter bleiben, dürfte für die meisten Verkehrsteilnehmer ein erstrebenswertes Ziel sein. Der KLÖNSCHNACK sprach mit Experten über das Fahrverhalten der „Generation 65 Plus“.

Rückblende: Im vergangenen Juni ereignete sich in Blankenese an der Kreuzung Erich-Blumenfeld-Platz/Sülldorfer Kirchenweg ein schwerer Verkehrsunfall. Aus damals ungeklärten Gründen krachte ein 84-jähriger Autofahrer mit seinem Wagen in ein Fahrzeug, in dem eine junge Familie saß. Der Rentner hatte die Kurve nicht bekommen und geriet auf die Gegenfahrbahn. Die junge Mutter wurde schwer verletzt, ihre Kinder und ihr Mann leicht, der Rentner und seine Ehefrau erlitten einen Schock. Sind solche Unfallsituationen mit älteren Verkehrsteilnehmern ein Einzelfall oder sind Senioren ab dem 65. Lebensjahr häufiger Unfallverursacher?

„Relativ betrachtet steigt das Risiko, einen Unfall zu verursachen, ab dem 75. Lebensjahr im Gegensatz zu der Altersklasse der 65- bis 74-Jährigen deutlich an“, sagt Ulf Schröder, Leiter der Verkehrsdirektion Hamburg.

Betrachtet man die offiziellen Zahlen der Verkehrsunfallstatistik 2015 für Hamburg, so stieg die Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Verkehrsteilnehmern über 65 im Vergleich zum Jahr 2014 um 516 von 11.439 auf 11.955 an. Die Gruppe der 65- bis 74-Jährigen verursachte in der Hansestadt im Gegensatz zum Jahr 2014 98 Unfälle mehr, die Gruppe der 75-Jährigen hingegen 243 Unfälle.

„Auch die Einnahme von Medikamenten kann im Alter die Fahrtüchtigkeit beeinflussen.“

Verlangsamte Reaktionsfähigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit der älteren Autofahrer seien unter anderem die Hauptgründe, wenn es im Straßenverkehr kracht, so Schröder. Das sieht Sabine Darjus, Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Hamburg, ebenso. „Eingeschränkte Beweglichkeit, wie sie im Alter naturgemäß einsetzt, ist in einigen Fällen auch der Grund für Beobachtungsdefizite, die wiederum dazu führen, dass wichtige Details in der Verkehrsbeobachtung nicht erkannt werden.“ Auch die Einnahme von Medikamenten könne im Alter die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. „Jeder fünfte von über 65-Jährigen verursachte Unfall in Hamburg geschieht beim Wenden oder Rückwärtsfahren“, so Darjus. Wer sich im Auto nicht mehr zur Seite oder nach hinten orientieren könne, sei in einer Art eingeschränkt, die verkehrsgefährdend werden könne. Einen weiteren Grund für Unfälle bei älteren PKW-Fahrern nennt Lorenz Möhlmann, Inhaber der „Fahrschule Blankenese“: „Gerade bei dem heutigen Verkehr, der zunehmend komplexer, hektischer und rücksichtsloser geworden ist, ist es in vielen Situationen sehr wichtig, sehr reaktionsschnell zu sein. Dies gelingt im hohen Alter aber häufig nicht mehr.“ Das ist seiner Meinung nach auch ein Grund, warum viele alte Autofahrer relativ langsam unterwegs seien, da sie so versuchten, die verlangsamte Reaktion zu kompensieren. „Die verlangsamte Reaktion ist leider auch ein Grund für die häufigen Unfälle von Senioren beim Rangieren, die ein Auto mit Automatikgetriebe fahren. Hier verwechselt der Fahrer die Bremse mit dem Gaspedal. Da dies durch die verlangsamte Reaktion zu spät erkannt wird, kommt es zu den schweren Unfällen“, sagt Möhlmann.

Damit die Fahrt mit dem eigenen PKW auch im höheren Alter sicher und unfallfrei bleibt, gibt es unter dem Dach des „Forum Verkehrssicherheit Hamburg“ für Senioren das Projekt „Einfach mobil bleiben“. „Darin bieten verschiedene Institutionen Senioren unterschiedliche Möglichkeiten an, ihre Mobilität im Alter zu testen beziehungsweise zu erhalten“, sagt Sabine Darjus vom Fahrlehrerverband. In diesem Sinne: Allzeit gute Fahrt!

Weitere Informationen zu dem Projekt „Einfach mobil bleiben“ gibt es im Internet unter

www.hamburg.de/senioren-mobil


Autorin: cornelia.hoesch(at)kloenschnack.de

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