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GASTKOLUMNE – Ein Vertrag der Freundschaft

MEINE MEINUNG

Ein Vertrag der Freundschaft 

MARIE-CHRISTINE KLIESS. Völkerverständigung 

Ein Geist der Gemeinsamkeit ist entstanden und wird durch viele Initiativen weiter gefördert. FOTO: NELOS/FOTOLIA
Ein Geist der Gemeinsamkeit ist entstanden und wird durch viele Initiativen weiter gefördert. 

FOTO: NELOS/FOTOLIA
Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag ist ein hervorragendes Beispiel der Völkerverständigung. Warum, das erklärt hier Marie-Christine Kließ, Konsularrätin der Republik Frankreich. 

Die vielen Kriege der Vergangenheit sind genug. Nie wieder soll es zwischen Frankreich und Deutschland einen Krieg geben. Vor mehr als 55 Jahren, am 22. Januar 1963, unterschrieben Bundeskanzler Konrad Adenauer und General de Gaulle gemeinsam den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit, bezeichnet auch als Elysée-Vertrag. General de Gaulle sträubte sich zunächst gegen ein solches Vertragswerk wegen seiner negativen Erfahrungen, die er als Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg gemacht hat. Dem französischen Präsidenten Antoine Pinay gelang es schließlich mit viel Überzeugungsarbeit, de Gaulle umzustimmen.

Der Elysée-Vertrag stellt das Fundament dar, auf welchem die deutsch-französische Freundschaft beruht. Er hat als wesentliches Ziel, beide Länder zu versöhnen. Die Förderungen von Freundschaften zwischen den jungen Generationen beider Völker leisten hier einen wichtigen Beitrag. Die vielen Kriegstoten zwischen unseren Nationen sind Mahnmal genug. Ein gemeinsames geeintes Europa zu schaffen betrachten unsere beiden Länder als ihr oberstes Ziel.

Die deutsch-französische Freundschaft ist der Motor für dieses Vorhaben. Ein Geist der Gemeinsamkeit ist entstanden. Dinge, die früher bedingt durch die Weltkriege trennend waren, sind überwunden. Dies zeigt sich in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Wir haben eine gemeinsame Währung, einen grenzfreien Schengenraum. Wir kooperieren in großen gemeinsamen Industrieprojekten wie Eurocopter und Airbus. All dies wäre vor 50 Jahren nicht denkbar gewesen.

Zwischen unseren beiden Regierungen finden regelmäßig Beratungen auf allen Ebenen statt. Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Macron stehen im ständigen Austausch. Zur gemeinsamen Verteidigung wurde die deutsch-französische Brigade aufgestellt. 

Marie-Christine Kließ

Trägerin der französischen Ehrenlegion und des französischen Ordre national du Mérite ist mit einem Deutschen verheiratet und lebt in Blankenese.



Auf den Gebieten Erziehung, Wissenschaft und Kultur haben unsere beiden Länder ihre früheren Vorurteile aufgegeben und dadurch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit geschaffen. Seit 1963 haben ca. neun Millionen Jugendliche aufgrund des Engagements des deutsch-französischen Jugendwerks L’OFAJ sich in unseren Ländern gegenseitig besucht, mit einer steigenden Tendenz.

Der deutsch-französische Sender Arte wurde gegründet, um den kulturellen Austausch auf einem hohen Niveau zu ermöglichen. All diese Beispiele zeigen, dass zwei Länder, die sich in der Vergangenheit bitter bekämpft haben, in der Lage sind, Feindschaft, Hass und Intoleranz zu überwinden und zu einer gemeinsamen, zum Wohle beider nützlichen Zusammenarbeit finden können. Beide wissen sehr gut, dass sie nur geeint und gemeinsam die vor ihnen liegenden Aufgaben der Zukunft bewältigen können.

Auch unsere schöne und freie Hansestadt Hamburg pflegt einen regen Austausch mit Frankreich, ist Sitz eines sehr aktiven französischen Generalkonsuls, welcher auch dem französischen Institut vorsteht. Für die Zukunft ist ein deutschfranzösisches Gymnasium vorgesehen. Außerdem gibt es in Hamburg mehrere deutsch-französische Gesellschaften, deren Aufgabe darin besteht, die deutsch-französische Freundschaft zu fördern. An der Führungsakademie finden Lehrgänge für Staatsoffiziere beider Länder statt. Zurzeit stellt Hamburg innerhalb der Bundesländer den Beauftragten für die Kulturelle Zusammenarbeit mit Frankreich.

Wir sind stolz auf unsere Väter, die uns dieses wunderbare Geschenk des Elysée-Vertrags gemacht haben, und möchten mit Ehrfurcht dieses hervorragende Beispiel der Völkerverständigung, „unsere deutschfranzösische Freundschaft“, weiter mit viel Leben erfüllen.

Marie-Christine Kließ

Über Hamburger Klönschnack