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Ein Brasilianer in Blankenese

HAUSBESUCH

Ein Brasilianer in Blankenese

Fabiano Da Cunha Miguel, Gastronom

Fabiano Da Cunha Miguel in seinem Wohnzimmer. Als Tisch dient ihm ein Louis-Vuitton-Schrankkoffer. Sein Ehemann hat sein Wohnzimmer eher sachlich eingerichtet.
Fabiano Da Cunha Miguel in seinem Wohnzimmer. Als Tisch dient ihm ein Louis-Vuitton-Schrankkoffer. Sein Ehemann hat sein Wohnzimmer eher sachlich eingerichtet.
Aus dem südlichen Brasilien über Lissabon führte sein Lebensweg nach Hamburg. Mit außerordentlichem Fleiß baute sich der Gastronom eine Existenz auf. Der KLÖNSCHNACK besuchte ihn in der Schanze.

In dieser Wohnung wird kein Detail dem Zufall überlassen. Alles hat seine Platz; es herrscht eine vorbildliche Ordnung. Und doch ist hier einiges anders. Obwohl Fabiano Da Cunha Miguel seit 17 Jahren mit seinem Mann verheiratet ist, gibt es zwei Wohnzimmer und jeder der beiden Bewohner hat auch seinen eigenen Balkon. Auf dem einen wachsen Kartoffeln, Zwiebeln, Erdbeeren und Auberginen. Der zweite Balkon dient einzig der Entspannung.

„Jeder von uns beiden hat seinen eigenen Stil und Geschmack“, sagt das Paar unisono. Der beinahe mit der „Titanic“ untergegangene, heute als Tisch dienende Louis- Vuitton-Schrankkoffer beispielsweise kommt bei Fabiano Da Cunha Miguels Ehemann weniger gut an. Gegenseitiges Sein- Lassen und Akzeptieren scheint hier das Rezept für eine langjährige Beziehung.

Wer ein buntes wie arbeitsreiches Leben wie der gebürtige Brasilianer führt, kann viel erzählen. Etwa aus der Zeit in der Küche eines Franzosen, der wegen der Liebe ins südbrasilianische Santa Catarina gekommen war. „Der sprach kein Wort Portugiesisch, so lernte ich bei ihm Französisch“, so der Hausherr, den Freunde und Gäste kurz Fabi nennen. Für Sprachen hatte der heutige Gastronom schon immer ein Faible. Neben Portugiesisch und Spanisch spricht er auch Deutsch, Italienisch und Französisch. Nur mit dem Englischen habe er es weniger.

Aus Brasilien habe man ihn wegen seines Fleißes ausgewiesen“, scherzt einer der Gäste gelegentlich. Tatsächlich vergeht kein Tag, an dem Fabiano nicht in seinem Restaurant erscheint. Nur sonntags steht er nicht selbst in seiner Blankeneser Tapas-Bar „Filón“, zugleich Restaurant und Café. Er liebe seine Arbeit, so der leidenschaftliche Gastgeber. „Ohne Herz funktioniert es nicht“.

Hier sind das mehr als Floskeln. Denn so liebevoll und detailversessen wie sein Zuhause hegt und pflegt der Gastronom auch seine Restaurants, ein zweites Lokal führt er an der Sülldorfer Landstraße im Stadtteil Iserbrook. Schon ein Blick auf die Terrasse des „Filón“ erfreut das Auge. Der Gastgeber schätzt Eigenschaften wie Sauberkeit und Ehrlichkeit. Das wird in jeder Ecke, ob in der ehelichen Wohnung oder im Restaurant, spürbar.

Während Hamburger unter betongrauem Himmel durch den Regen gehen, liegen Fabis Landsleute bei 35 Grad am Strand. Kommt da gar kein Heimweh auf? „Ich liebe den Wechsel der Jahreszeiten“, sagt der Wahl-Hamburger, der heute mitten im hippen Stadtteil Sternschanze lebt.

Autorin: helmut.schwalbach(at)kloenschnack.de

www.tapasfilon.de

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