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„Too good to go“: 100.000 Mahlzeiten vor der Tonne gerettet

Franziska Lienert von Too good to go, Kundin Katharina Först und Björn Kramer von Brot & Stulle

Hamburg. Die App „Too good to go“ konnte in dieser Woche die 100.000. Mahlzeit in Hamburg vor der Mülltonne retten. Über 350 Betriebe haben sich der guten Sache schon angeschlossen. 

Bei Brot & Stulle in der Rindermarkthalle wurde ein besonderes Jubiläum gefeiert. „Bei uns bildet sich immer schon eine kleine Schlange kurz vor der Abholzeit“, sagte Björn Kramer von Brot & Stulle stolz über seine besondere neue Kundschaft und schaute auf seine Auslage. Jeden Tag kommen hier kurz nach Ende der Betriebszeit Kunden vorbei, zeigen ihre Smartphones vor und bekommen eine Tüte voller Leckereien. „Too good to go“ heißt die App, die es ermöglicht, Lebensmittel zu retten, die sonst entsorgt worden wären. In der Hansestadt nutzen dieses Konzept schon 22.000 Leute. Und das schlägt sich in Zahlen nieder: im Partnerbetrieb Brot & Stulle rettet App-Kundin Katharina Först diese Woche die 100.000. Portion in Hamburg.

Verkaufsleiter Björn Kramer steht voll und ganz hinter dem Konzept: „Wir wollen dem Handwerk in unserem Laden Wertschätzung zeigen und auch unsere hochwertigen Lebensmittel sind einfach viel zu schade zum Wegwerfen. Bei mir ist direkt der Funke übergesprungen, sodass schon zwei Filialen von uns mitmachen. Es hat sich eine richtige Fangemeinde bei uns entwickelt. Jeden Tag sammeln sich die Kunden um viertel vor acht vor dem Laden und warten auf ihre Portion. Dann wird nur noch das Handy herübergereicht, ich entwerte den digitalen Kaufbeleg und die Kunden bekommen ihre Tüte. Der Aufwand ist extrem gering. Man stellt das einmal rein, gibt zur gewählten Uhrzeit die Tüte raus und dann war’s das schon: nichts muss weggeschmissen werden.“ Seit April 2016 hat Brot & Stulle mit der App zur Lebensmittelrettung der Verschwendung den Kampf angesagt. Und das genau zur richtigen Zeit.

Allein in Hamburg werden jedes Jahr 400.000 Tonnen Essen weggeworfen

Weltweit werden ein Drittel aller produzierten Lebensmittel entsorgt, bevor sie gegessen werden können. Alleine in Hamburg sind das 400.000 Tonnen Essen pro Jahr. Diese Verschwendung bedeutet nicht nur eine Geringschätzung der Lebensmittel, sondern bringt eine riesige Ressourcenverschwendung durch den Bedarf an Wasser, Energie, Bodennutzung, und Verpackung im Produktionsprozess mit sich. Zudem wird während der Produktion eine große Menge CO2 ausgestoßen. Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, hätte es den größten CO2-Ausstoß nach den USA und China. 

Seit 2016 hat die App zur Lebensmittelrettung in Deutschland einen riesigen Zuwachs erfahren. Über die Plattform können gastronomische Betriebe jeder Art vergünstigt das Essen anbieten, das im Tagesgeschäft nicht verkauft werden konnte. Die Kunden laden die App kostenlos herunter, sehen, welche Geschäfte in ihrer Nähe Portionen anbieten und kaufen gemütlich über die App.

So auch die Kundin, die die 100.000ste Portion abholte. Katharina Först ist begeistert vom Konzept: „Für mich ist es total cool so eine große Auswahl zu haben. Früher bin ich abends müde nach Hause gekommen und da hat es nur noch für Nudeln mit Pesto gereicht. Jetzt kann ich in die App gehen und von Brot über Sushi sind alle möglichen Produkte dabei. Besonders hat mich aber natürlich der Nachhaltigkeitsgedanke dahinter motiviert, es weiterhin zu machen. Für mich ist einfach schön, dass ich gutes Essen zu einem fairen Preis bekomme und dabei etwas Gutes tue.“

In Hamburg beteiligen sich schon über 350 Betriebe – Tendenz steigend. Wer mitmachen will, kann sich bei hier melden. Kunden können sich die App einfach kostenlos herunterladen.

Über Louisa Heyder