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Lebensraum Kirchturm –Tierische Kirchgänger in Iserbrook

Kommt auch der Turmfalke zurück in die Iserbrooker Kirche? (Foto: NABU/Frank Derer)

Iserbrook. Die Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook setzt in der Martin-Luther-Kirche Maßnahmen zur Schutz des Turmfalken und der Dohle um und erhält dafür die NABU-Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“.

Viele Vogelarten siedeln sich gerne in der Nähe des Menschen an. Turmfalken, Dohlen, Fledermäuse oder Schleiereulen nutzen Kirchtürme und andere Gebäude als Ersatz für natürliche Bruthöhlen. Viele der Arten leiden jedoch darunter, dass Brutmöglichkeiten in den Siedlungen zunehmend verloren gehen. Bei Kirchturmsanierungen werden zum Beispiel Einfluglöcher oder Brutnischen verschlossen oder Gitter zur Abwehr von Tauben angebracht. Auch kleine Arten wie Spatz oder Hausrotschwanz stehen dann vor verschlossener Tür.

In der Martin-Luther Kirche in Iserbrook ist dies seit 2010 nicht mehr so, denn die Ev.-Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook hat ihre Kirche für die Dohle attraktiv gemacht und vorbildlich zwei Nistkästen installiert, die seitdem erfolgreich besetzt sind. In diesem Frühjahr wurde zudem noch ein Turmfalkenkasten angebracht.

Um die Martin-Luther-Kirche herum besteht noch ein intaktes Dohlen-Vorkommen in Hamburg. Die meisten Tiere brüten hier in stillgelegten Schornsteinen, die seit einigen Jahren jedoch nach und nach „wegsaniert werden. Um den Bestand der Dohlen zu erhalten und den Turmfalken anzusiedeln, hat die Gemeinde Nistkästen angebracht. Dieses Engagement für den Artenschutz würdigte der NABU Hamburg mit der Verleihung der Plakette „Lebensraum Kirchturm“. „Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook leistet mit ihrem Einsatz für die Dohle und den Turmfalken einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt in Hamburg“, freut sich Marco Sommerfeld, Referent für Vogelschutz beim NABU Hamburg. „Nistkästen helfen unserer StadtNatur und schaffen auch in dicht besiedelten Gebieten Platz für gefährdete Vogelarten.“

„Die Dohlen-Nistkästen wurden im Zuge von Sanierungsarbeiten im Inneren des Turmes angebracht“, erklärt Pastor Fabio Fried. „Die Vögel haben die Kästen gut angenommen und sind nun richtige Kirchgänger. Wir wünschen uns, dass die Dohlen ein Vorbild für Menschen sind, die geistliche Lebensräume ausprobieren wollen und brauchen.“

Das Projekt „Lebensraum Kirchturm“

2007 startete der NABU zusammen mit dem Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen das Projekt „Lebensraum Kirchturm“. Ziel der Aktion ist es, die Brutstätten für Turmfalken, Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen und andere Arten zu erhalten. Ebenso wichtig ist es, renovierte Kirchtürme wieder als Lebensraum zu öffnen, indem dort Nistkästen angebracht werden. Mittlerweile sind schon mehr als 1.080 Kirchen in Deutschland für ihren Einsatz für den Artenschutz vom NABU mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet worden. In Hamburg erhält die Martin-Luther Kirche der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook als siebte Kirche diese Auszeichnung.

Über Louisa Haroun

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