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THEMA: Die Krawatte – Imagewandel

TIMS THESEN 

THEMA: Die Krawatte – Imagewandel

Tim Holzhäuser schreibt hier seine monatliche Glosse
Tim Holzhäuser schreibt hier seine monatliche Glosse
Die „Zeit“ berichtete kürzlich über das Schweizer Internat Le Rosey, das als teuerste Schule der Welt gilt. Nach dem üblichen Blabla über künftige Prinzen und Präsidenten (und das übliche Verschweigen von Diktatoren und Potentaten) waren die Strafen Thema. Wer in Le Rosey z.B. Drogen nimmt oder mit dem anderen Geschlecht auf dem Zimmer erwischt wird, fliegt raus. Drakonisch, oder? Ich las weiter und lernte die sanfteren Disziplinierungsmaßnahmen kennen. Wer sich in seinem Zimmer aufführt wie ein Ferkel oder im Unterricht frech wird, der muss eine Woche lang Krawatte tragen. Als bekennender Krawattenträger (fühle mich ohne nackt und erkälte mich auch häufiger) wurde ich hellhörig, ließ aber zunächst die Zeitung sinken und dachte an andere Krawattenträger.

Deren Reihen werden derzeit ja brutal gelichtet. Wir denken an den Ex-Hotelier und passionierten Krawattenträger Jost Deitmar, der am Ende seines Dienstes zwangsweise mit nacktem Hals herum – laufen musste. Die Hälse von Männern über 50 gehören übrigens nicht zum Schönsten, was der Planet zu bieten hat. Auch in meiner Haspa-Filiale arbeitet seit etwa einem Jahr eine bunte Truppe aus Sozialpädagogen und Bioladen- Verkäuferinnen.

Zumindest sehen sie so aus. Da wir uns aber in Norddeutschland befinden und nicht im San Fernando Valley wurde die Lässigkeit selbstverständlich von oben verordnet. Vorstände machen es vor, wie ihr Name ja nahelegt. Von Vogelsang bis Zetsche läuft heute alles oben ohne herum, um, so meine Vermutung, kreativ und unkoventionell zu wirken. Der Effekt verliert durch besagte Schlabberhälse und das offensichtliche Kalkül etwas an Glaubwürdigkeit, aber wenn die Herde erst mal läuft, dann läuft sie.

Zurück zu Le Rosey und zum Krawattentragen als Strafe. Wenn dort ein künftiger Präsident/ Potentat mit Krawatte herumläuft, als was gilt der? Als angepasst, konventionell und wenig kreativ?

Nein, als bad boy. Als Gegenentwurf zum Bankvorstand. These hierzu: Die Krawatte könnte eine erstaunliche Imagewende erleben, vom formellen Accessoire zur Insignie der Subkultur.

Glaube Sie nicht? Dann denken Sie mal an baggy pants, also Jeans, die kurz unterm Hintern aufhören und deren Schritt zwischen den Knien hängt. Diese Hosen wurden nicht in den Cholera-Gebieten dieser schönen Erde erfunden, sondern in US-Gefängnissen. Dort dürfen die besonders bösen Brummer keine Gürtel tragen, damit sie den Wärter nicht strangulieren und sich selbst nicht aufhängen. Hat nun ein magerer böser Brummer eine zu große Hose erwischt, dann hängt die halt zwischen den Knien. Der Brummer wird „fuck“ sagen, aber er kann nicht verhindern, dass Nicht-Knackis die baggy pants als Mode missverstehen und sie nun das Straßenbild verziert.

Wenn Sie also morgen von einem beschlipsten Straßenräuber einen auf den Wirsing bekommen, dann denken Sie an meine Worte.

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