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Jamaika-Koalition: Die Immobilienwirtschaft als Bauernopfer?

IMMOBILIEN

KOLUMNE
Jamaika-Koalition: Die Immobilienwirtschaft als Bauernopfer?

Oliver Moll
Oliver Moll
Deutschland hat gewählt. Die Große Koalition ist wohl bald Geschichte und wird von einer Jamaika-Koalition abgelöst. Mit Jamaika verbindet man eigentlich ein entspanntes Lebensgefühl, jedoch dürften die Koalitionsverhandlungen alles andere als entspannt verlaufen – zumindest in punkto Immobilien und Wohnen.

Union und FDP liegen zwar bei vielen Themen auf einer Linie. FDP und Grüne jedoch haben im Wahlkampf teilweise gegensätzliche Positionen vertreten. Man mag jetzt denken: Pech für die Grünen, dann werden sie halt überstimmt. Doch so einfach ist es nicht. Union und FDP brauchen die Grünen. Irgendwo wird man Zugeständnisse machen müssen. Und erfahrungsgemäß sind oft Immobilien der Bereich, in dem am ehesten Kompromisse eingegangen werden. Deswegen werden die Grünen wohl leider den ein oder anderen ihrer (kontraproduktiven) Pläne für die Wohnungswirtschaft umsetzen können. So forderten sie in ihrem Wahlprogramm etwa eine verschärfte Mietpreisbremse (ohne Ausnahmen selbst bei kostenintensiver Sanierung), erweiterte Mietenspiegel, strengere Regeln bei Kündigungen und niedrigere Modernisierungsumlagen. Sprich: Noch mehr Regulierung.

Während die Koalitionsverhandlungen langsam Fahrt aufnehmen, läuft die Gerüchteküche schon seit Wochen auf Hochtouren und verheißt ebenfalls nichts Gutes. So berichtete eine regionale Tageszeitung nach der Wahl, ihr sei ein Dokument zugespielt worden, aus dem hervorgehe, dass es zwischen Grünen und Liberalen bereits Absprachen über eine mögliche Ressortaufteilung gegeben habe: Während die FDP ein Auge auf Bildungs- und Justizministerium geworfen hat, möchten die Grünen wohl ins Bundesumweltministerium. Eine Falschmeldung? Hoffentlich. Denn in den letzten Jahren wurden schon mit einer SPD-Ministerin unter Berufung auf Klimaschutz und Energieeffizienz durch immer neue Verordnungen die Bau- und Mietkosten in die Höhe getrieben. Ein grünes Ministerium würde wahrscheinlich noch einen Gang hochschalten. Vermietern kann man deswegen nur raten, zu gegebener Zeit einen genauen Blick in den Koalitionsvertrag zu werfen und im Fall der Fälle ihren Hausverwalter oder Immobilienberater zu kontaktieren, um Risiken und Chancen der neuen Legislaturperiode durchzusprechen.

Oliver Moll, Moll & Moll Zinshaus

EXPERTENRAT
Beim Immobilienkauf auf Bauqualität achten

Der Immobilienmarkt brummt, die Preise steigen. Mangels attraktiver Geldanlagemöglichkeiten investieren viele Menschen Geld in Immobilien und bezahlen dabei immer höhere Preise, vor allem in den Metropolen. Die enorme Nachfrage bringt Käufern weitere Nachteile: Die Schlüsselfertiganbieter lassen fast nicht mehr mit sich verhandeln, Sonderwünsche sind kaum durchsetzbar. Vor allem aber leidet die Bauqualität, so beobachten die Sachverständigen des Verbands Privater Bauherren (VPB) auf zahlreichen Baustellen. Weil die Auftragsbücher voll sind und die Kunden ungeduldig, verdingen die Baufirmen immer mehr Mitarbeiter, die fachlich nicht ausreichend geschult sind. Baumängel sind die Folge. Umso wichtiger ist nach Erfahrung der VPB-Sachverständigen die laufende Bau- und Qualitätskontrolle sowohl beim Einfamilienhaus als auch bei Eigentumswohnungen. Bauherren und Käufer sollten unabhängige Experten mit regelmäßigen Baustellenbesuchen beauftragen, damit sich ihr Investment auch rechnet und sie nicht zum Schluss auf mangelhaften Immobilien sitzenbleiben, die weniger wert sind, als sie dafür bezahlt haben.

EFFIZIENZHAUS PLUS
Neues Zentrum für zukunftsgerechtes Bauen

Am 5. Oktober eröffnete das zum Informations- und Kompetenzzentrum für zukunftsgerechtes Bauen umfunktionierte Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität in Berlin wieder seine Türen. Als Dialogplattform fördert es den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Verschiedene Veranstaltungsformate informieren die Besucher zum nachhaltigen, energieeffizienten Bauen sowie über innovative Mobilitätskonzepte und eröffnen Möglichkeiten des interdisziplinären Austausches zu allen Themen des klimagerechten Bauens. Führungen, Ausstellungen, Seminare und Workshops bieten Interessierten die Gelegenheit, Einblicke in verschiedene Bereiche des zukunftsgerechten Bauens, wie innovative Gebäudestandards- und Technikkomponenten, die Aktivitäten des Effizienzhaus Plus Netzwerkes, Digitalisierung, Recyclingfähiges Bauen und Elektromobilität zu bekommen, um nur einige Schwerpunkte der nächsten Monate zu nennen. Interessierte können die Räumlichkeiten außerdem für eigene Veranstaltungen und den fachlichen Austausch mieten.

KOLUMNE
Es gibt keine Obergrenze

Conrad Meissler
Conrad Meissler
Immer wieder sitzen wir mit Kollegen oder immobilieninteressierten Investoren zusammen und stellen uns seit Jahren stets die gleichen Fragen: Steigen die Preise für Wohnimmobilien in Hamburg weiter? Wird das erreichte Niveau noch einmal überschritten? Wie lange wird das noch so weitergehen? Auch zu Jahresbeginn kamen Zweifel auf, dass nun wirklich die Preise eine Region erreicht haben, die sich nicht mehr überbieten lassen sollte. Ein Dreivierteljahr später die gleiche Situation: Erneut haben sich die Wohnimmobilienpreise vor allem in den sehr guten Lagen rund um die Alster bis ins Alstertal, am Hafenrand und in den Elbvororten zum Teil um weitere fünf Prozent erhöht und es drängen sich die gleichen Zweifel auf. Gibt es im Hamburger Immobilienmarkt wirklich keine Obergrenze?

Anscheinend sind für hochwertige Wohnungen in besten Lagen keine Grenzen mehr gesetzt. So haben die spektakulären Eigentumswohnungen in den letzten Etagen oben auf der Elbphilharmonie allein im letzten Jahr schon für eklatante Preisverschiebungen im oberen Segment gesorgt. Luxus-Wohnungen zu Preisen ab 9.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche in Hamburg haben sich nach dieser Maßgabe im Jahresvergleich um 58 Prozent verteuert. Es kommt allein auf die Qualität des Angebots, die Einzigartigkeit und das Herausragende der Lage an, und Käufer sind bereit, immer noch einmal eine deutliche „Schippe“ auf die Preise zu legen.

So zeigt sich auf diese Weise aber, dass nur das Allerbeste die allerhöchsten Preise erreicht. Das gilt umso mehr in den bekannten gesuchten Lagen und bei vergleichsweise „günstigeren“ Wohnimmobilien. Das ganze Paket aus Lage, Qualität und Individualität muss stimmen. Umgekehrt erklärt dies, warum manche Immobilie in allerbester Lage wie Blei im Markt liegt, wenn sie auch nur einen Haken aufweist. Insofern lassen sich die anfänglichen Fragen so beantworten, dass es immer wieder eine Obergrenze gibt, nur für das Beste eben nicht.

Conrad Meissler, Meissler & Co.

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