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Freitag, der 13.  

Wenn am Freitag, den 13. auch noch die schwarze Katze auftaucht, dann man „Gute Nacht“! FOTO: LE 3EME OEIL - FOTOLIA.COM 
Wenn am Freitag, den 13. auch noch die schwarze Katze auftaucht, dann man „Gute Nacht“! FOTO: LE 3EME OEIL – FOTOLIA.COM 
Im Oktober 2017 ist es wieder so weit: Diesem Datum, das so viele Menschen – vornehmlich horoskopgläubige – fürchten. Manche richten gar ihre komplette Tagesplanung darauf aus. Angstvoll werden Wahrsager konsultiert. Zur Prophylaxe.

Zumindest mulmig wird es den Mitmenschen vor oder zu diesem Datum. Oft erfüllt sich die eher diffuse Vorahnung wie ein „Selffulfilling“.

Fluglinien verzichten auf ihre 13. Reihe, Herbergen, Empfindlichkeiten ihrer Gäste entsprechend, auf die Zimmernummer 13. Seinen Ruf verdankt dieser Tag dem sogenannten „Schwarzen Freitag“ des Jahres 1929, dem großen Börsenkrach in den USA. Aber der fiel gar nicht auf den 13. und startete schon am Donnerstag davor seine dramatische Entwicklung. Judas war der 13. Gast beim Abendmahl. Das Ende des Templerordens fiel auf einen 13. Aber das war ja immerhin schon Anfang des 14. Jahrhunderts, und außerdem war Inquisition. Ohnehin galt die Zahl 13 als „Dutzend des Teufels“. Was taugen schon sachdienliche Hinweise als Argumente gegen verfestigten Aberglauben!

Jüngere Erhebungen von Versicherungsunternehmen belegen, dass sich an einem Freitag, dem 13. nicht mehr Schäden ereignen als an anderen Tagen. Das mag zunächst einmal beruhigen. Was aber machen diejenigen, bei denen sich der Umgang mit einem solchen Freitag längst zu einer Phobie entwickelt hat? Sowas ist ja weit verbreitet („Arachnophobie“ gegenüber Spinnen und „Klaustrophobie“.) Letztere überfällt Menschen gern in engen Räumen, zum Beispiel in Fahrstühlen.

„Statistisch gesehen, besteht kein Grund zur Angst!“
Wissenschaftler bezeichnen das Phänomen des Datums 13. mit „Paraskavedekatriaphobie“. Der Begriff leitet sich ab aus dem Griechischen: Paraskave = Freitag, Dekatria = 13, Phobie = Angst). Es sind halt Wissenschaftler. Paraskavedekatriaphobie ist heilbar, auch wenn sie sich kaum aussprechen lässt. Nicht mal für Griechen oder Mediziner. Man könnte damit allemal seinen Stammtisch beeindrucken. Umfangreiche Erhebungen von Unglücksforschern haben längst belegt: Freitag, der 13. ist kein Unglückstag, auch wenn fast jeder ein negatives Erlebnis anführen kann, das vermutlich dem Ruf eines solchen Tages geschuldet ist. Persönliche Schicksale eignen sich am besten zur Beweisführung. Fragen wir nochmal diejenigen, die dem Phänomen nachgegangen sind, die Versicherungen: „Die Analyse der Schadensexperten (Zurich Versicherung, eine der weltweit größten) zeigt, dass an den letzten zehn Freitagen dieses Datums im Schnitt rund 2.000 Schäden gemeldet wurden. An allen anderen Freitagen, die nicht auf den 13. fielen, wurden durchschnittlich über 10 Prozent mehr Schäden verzeichnet. Damit ist der Freitag an sich eindeutig der schadensreichste Tag der Woche.

„Angst essen Seele auf?“ Lieber positiv denken! FOTO: SONJA CALOVINI_FOTOLIA.COM
„Angst essen Seele auf?“ Lieber positiv denken! FOTO: SONJA CALOVINI_FOTOLIA.COM
Freitag, der 13. bewegt sich dabei absolut im beruhigenden Durchschnitt. Wer allerdings daran glauben möchte, dieser Tag sei „irgendwie verhext“, dem bleibt das unbenommen. Lottospieler möchten davon nichts hören – wie auch von den errechneten statistischen Gewinnchancen wie 1:13 Millionen („Sechser“) oder gar 1:140 Millionen („Sechser mit Superzahl“). Dem hält der überzeugte Gambler beharrlich entgegen, dass ja gerade – am letzten Sonnabend etwa – „jemand den Jackpot geknackt“ habe und nun mehrfacher Millionär sei. Um gleich hinzuzufügen, dass man es selbst, sollte einen das Glück derart gehäuft treffen, keineswegs machen würde wie 1994 der legendäre „Lotto-Lothar“ aus Hannover, der seinen Millionen-Gewinn umsetzte in fahrbare Exoten mit italienischen Namen, fatalerweise begleitet von allerlei Hochprozentigem.

Auch im Hinblick auf die „Unglückszahl“ 13 gilt Entwarnung. Im Jahr 2013 war überhaupt kein Anstieg der Schadenszahlen an diesem Tag zu registrieren. Tatsächlich wurde an den zwei Freitagen, die auf den 13. fielen, mit 1.750 Schäden im Schnitt der Bestwert der „schwarzen Freitage“ registriert. Was aber jemanden, der tatsächlich unter Paraskavedekatriaphobie leidet, nicht wirklich beeindruckt.

Ob Japaner grundsätzlich optimistischer sind? Bei denen gilt die 13 gar als Glückszahl. In China gilt die 4 als größte Pechzahl und in Italien die 7. Also ruhig Blut! Und alles auf die 13!

Autor: uwe.petersen(at)kloenschnack.de  

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