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Unsere wichtigste Aufgabe

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Unsere wichtigste Aufgabe 

GASTKOLUMNE: US-Generalkonsul Richard Yoneoka: Die USA und Deutschland

In Hamburg residiert die älteste diplomatische Vertretung der USA auf deutschem Boden FOTO: ALDORADO_FOTOLIA.COM 
In Hamburg residiert die älteste diplomatische Vertretung der USA auf deutschem Boden FOTO: ALDORADO_FOTOLIA.COM 
Wie jede andere Beziehung lebt das deutsch-amerikanische Verhältnis von dem, was Menschen bereit sind, darin zu investieren: Zeit, Arbeit, Geduld, Vertrauen. Eine Beurteilung des Generalkonsuls der USA.

Der Beginn des neuen Jahres ist ein guter Zeitpunkt, um zu reflektieren, was die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern geformt, gestärkt und manchmal auch herausgefordert hat. Daraus können wir viel über uns selbst und für die zukünftige Gestaltung der deutschamerikanischen Beziehungen lernen. Diplomatische Bemühungen auf Regierungsebene allein reichen nicht aus für den Erhalt dieser besonderen Partnerschaft. Auch die Bürgerinnen und Bürger, jung und alt, müssen daran teilhaben und sie aktiv mitgestalten. Auf die persönlichen Beziehungen der Menschen untereinander kommt es an.

Es war kein Zufall, dass die USA 1790 ihre erste diplomatische Vertretung auf deutschem Boden in Hamburg errichteten, als elfte weltweit und ein Jahr nachdem die US-Verfassung in Kraft trat. Hamburg war damals wie heute eine der wichtigsten Handels- und Wirtschaftsmetropolen auf dem europäischen Kontinent. Um diesen Handel weiter zu fördern, ernannte US-Präsident George Washington den Kaufmann John Parish zum ersten US-Konsul in Hamburg. Das US-Generalkonsulat hat also die wechselvolle Geschichte dieser schönen Stadt in den letzten knapp 230 Jahren mit begleitet und in einigen Facetten auch mit geprägt. 

FLAGGE: MD3D_FOTOLIA.COM
FLAGGE: MD3D_FOTOLIA.COM
Aber unsere gemeinsame Geschichte ist nur ein Aspekt der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Es liegt an uns, nachhaltig darauf aufzubauen und das transatlantische Verhältnis zukunftsorientiert mit Leben zu füllen. Wie machen wir das?

Wenn wir über die deutsch-amerikanischen Beziehungen sprechen, nehmen unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zweifellos auch heute eine besondere Stellung ein. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten und die Europäische Union die größte Handels- und Investitionspartnerschaft der Welt. Und das macht Sinn. Über 13 Millionen Jobs in den USA und Europa werden durch den transatlantischen Handel generiert. Für Hamburg waren die USA 2016 das viertwichtigste, für Bremen sogar das wichtigste Exportziel. Bei den Importen standen die USA für Hamburg an dritter und für Bremen an zweiter Stelle.

Auch jenseits der starken Wirtschaftsbeziehungen sind unsere beiden Völker auf vielfältige Weise eng miteinander verbunden. Zu nennen sind hier vor allem die unzähligen formellen und informellen Netzwerke, die nicht jeden Tag in den Schlagzeilen stehen: Verbindungen zwischen Menschen, kulturellen Institutionen, Schulen und Universitäten. Städtepartnerschaften tragen auf vielfältige Art und Weise dazu bei, die Kultur-, Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Städten zu fördern und Freundschaften über alle Grenzen und Unterschiede hinweg zu schließen. Vor drei Monaten war ich vor Ort, als die Städtepartnerschaft zwischen Kiel und San Francisco begründet wurde. Mit solchen Initiativen schaffen wir den Rahmen für vielfältige neue transatlantische Verbindungen zwischen den Menschen.

US-Generalkonsul Richard Yoneoka: „Über dreizehn Millionen Jobs in den USA und Europa werden durch den transatlantischen Handel generiert.“
US-Generalkonsul Richard Yoneoka: „Über dreizehn Millionen Jobs in den USA und Europa werden durch den transatlantischen Handel generiert.“
Auch bestehende Städtepartnerschaften, etwa zwischen Hamburg und Chicago, spielen eine wichtige Rolle. Solche Partnerschaften, die in der Vergangenheit begründet wurden, schaffen weiterhin neue Möglichkeiten, um unsere Beziehungen zu vertiefen. Denn letztlich bilden die persönlichen Beziehungen und Kontakte zwischen unseren Bürgerinnen und Bürgern das Fundament der transatlantischen Partnerschaft.

Doch wir können die über Jahrzehnte gewachsenen, guten deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht als selbstverständlich voraussetzen. Bei jungen Menschen, die den Kalten Krieg nur aus dem Geschichtsunterricht kennen, ist das häufig der Fall. Für mich als Diplomat, der einen Großteil seiner Zeit jungen Deutschen widmet, um mit ihnen zu diskutieren und ihnen zuzuhören, ist dieser Befund besorgniserregend. Denn die deutschamerikanische Partnerschaft braucht Menschen jeden Alters, die neugierig und risikofreudig sind, die Visionen haben. Deshalb sind persönliche Kontakte mit Amerikanern umso wichtiger – sei es im Rahmen eines Workshops mit amerikanischen Trainern an der Hamburger HipHop Academy, eines Austauschprogramms mit einer Schule in den USA oder einer Hamburger Handelsdelegation, die New York, Chicago, oder das Silicon Valley besucht.

Wie jede andere Beziehung lebt das deutsch-amerikanische Verhältnis von dem, was Menschen bereit sind, darin zu investieren: Zeit, Arbeit, Geduld, Vertrauen. Jede Beziehung durchlebt Höhen und Tiefen und die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist keine Ausnahme. Wir müssen heute die Grundlagen dafür legen, dass die transatlantische Partnerschaft auch in den kommenden Jahrzehnten stark und vital bleibt. Das ist unsere wichtigste Aufgabe! Richard Yoneoka

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