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„Unbeirrbar und sachlich“

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Politik

Senatorin zur Bundestagswahl
„Unbeirrbar und sachlich“

Katharina Fegebank ist seit April 2015 Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
Katharina Fegebank ist seit April 2015 Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
Noch wenige Wochen bis zur Bundestagswahl. Während die CDU in den Umfragen unangefochten weit vorn liegt, müssen die Grünen kämpfen, wenn sie drittstärkste Kraft werden wollen.

Frau Senatorin, durch die Ereignisse rund um den G20-Gipfel kam auch Ihre Partei ins Schleudern. Sehen Sie Auswirkungen auf die Bundestagswahl?

Die Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel haben in Hamburg niemanden unberührt gelassen. Es ist eine Menge Vertrauen verloren gegangen, gerade auch in die Politik. Das betrifft natürlich auch uns als Grüne. Wir setzen uns jetzt dafür ein, dass Schäden zügig beseitigt und reguliert werden und wir die Ereignisse gründlich aufarbeiten. Über Auswirkungen für die Bundestagswahl will ich keine Vermutungen anstellen.

Wurden durch die Gewalt alle Parteien aus dem linken Spektrum diskreditiert?

Ein Problem haben diejenigen, die sich von Gewalt als Mittel des Protests nicht klar abgrenzen. Die Grünen zählen nicht dazu. Im Übrigen ist an gewalttätigen Ausschreitungen nichts „links“. Man sollte nicht Leuten auf den Leim gehen, die linke Ideen in Geiselhaft für ihre Gewaltexzesse nehmen wollen.

„Schäden zügig beseitigen …“

Wie erklären Sie sich die mauen Umfragewerte Ihrer Partei?

Die Fieberkurve von Umfragen schlägt oft für die Parteien aus, die besonders viel Lärm und Aufregung verbreiten, statt wie die Grünen unbeirrbar und sachlich die Modernisierung des Landes zu organisieren. Frau Merkel hat die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet, aber die Grünen kümmern sich um ihre Integration. Frau Merkel schließt internationale Klimaabkommen, aber die Grünen kümmern sich darum, dass Deutschland die dann auch einhält. Frau Merkel hat den Widerstand gegen den Atomausstieg aufgegeben, aber die Grünen kümmern sich um die Energiewende. Je näher der Wahlsonntag rückt, desto mehr Bürger werden sich fragen: Wer hat eigentlich die konkreten Ideen für die wichtigsten Zukunftsaufgaben? Und dann schlägt die Stunde der Grünen.

Was planen die Hamburger Grünen im Bundeswahlkampf?

Wir gehen dahin, wo die Leute sind. Anstatt zu einer Handvoll Großveranstaltungen einzuladen, besuchen wir in diesem Wahlkampf die Bürger vor Ort: Wir setzen verstärkt auf Haustürwahlkampf und direkte Aktionen im Stadtteil. Die Politik insgesamt steckt in einer Vertrauenskrise. Umso wichtiger ist der persönliche Kontakt, das direkte Gespräch. Raus aus der politischen Blase!

Welchen Themen werden den Wahlkampf dominieren?

Ich hoffe auf einen Wahlkampf, der sich um die Schwarzbrotthemen dieses Landes kümmert. Die Verkehrswende, die Energiewende, die Agrarwende, die ökologische Industriewende, die unseren zukünftigen Wohlstand sichert. Ich denke auch, dass sich die meisten Bürger einen solchen Wahlkampf wünschen. Viele wollen wissen, was in ihrem Essen ist, was aus ihrem Auspuff kommt, wohin ihre Daten gehen. Sie fragen, wie wir ihre Sicherheit schützen, ohne ihre Freiheit zu opfern. Und sie möchten wissen, wie wir Europa demokratisch so erneuern wollen, dass es für alle seine Bürger funktioniert.

Wie ist Ihre Prognose für die Wahl im September?

Vieles ist möglich. Aber klar ist: Auf Platz eins entscheidet Deutschland über seine Kanzlerschaft, auf Platz drei entscheidet Deutschland über seinen Charakter. Deshalb wünsche ich mir starke Grüne auf Platz 3, als ein kraftvolles Signal für ein weltoffenes und optimistisches Land.

Fragen: helmut.schwalbach@kloenschnack.de

www.hamburg.gruene.de

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