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Rennaissance der Gastlichkeit 

TO’N PEERSTALL

Rennaissance der Gastlichkeit 

Elbnahe Refugien

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Rastplatz im Hochrad – bequem mit der VHH-Linie 15 zu erreichen. Oder auch zu Fuß 
Allerorten wird der Niedergang von Stammkneipen, Stammgästen und Verfügbarkeit deutscher Küche beklagt. Überall? Nicht ganz. KLÖNSCHNACK stellt in lockerer Reihenfolge einige verbliebene Gasthäuser vor. Es gibt sie noch, diese Stätten, an denen man sich bei „zivilen Preisen“ und angenehmem Ambiente wohl fühlen kann.

To’n Peerstall gehört dazu. Keiner dieser gestylten Tempel für die „Generation Golf“ oder Maßgeschneiderte aus irgendeinem Management – Hipster suchen nach Trend-Treffpunkten, um darin ihr Profil aufzumöbeln. Hier, am Rande des Jenischparks, geht die Zeit etwas anders. Der schon in den frühen Abendstunden recht gute Besuch lässt annehmen, man könne hier ein Feierabendbier in angenehmer Atmosphäre genießen. So ist es. Wie der Name vermuten lässt, ist die Ausstattung pferdeaffin:

Die Barhocker um den vergleichsweise riesigen Tresen sind mit Pferdeschwänzen, sorry – mit Original-Schweif! – dekoriert, der Tresen selbst mit gegerbter, gescheckter Pferdehaut. Quelle: Trödel- und Flohmärkte und über Jahrzehnte zusammengetragen. 

Die „Biesterfelder Landstelle“ ist in achter Generation in Familienbesitz

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Gemütlich: Der Tresen beherbergt ganz verschiedene Biere
Das Gasthaus stammt aus Zeiten, als die Truppen von Napoleon I. Anfang des 19. Jahrhunderts einfielen. Das Haupthaus wurde 1810 zerstört, aber bereits vier Jahre später wieder aufgebaut. Die „Biesterfelder Landstelle“ befindet sich in achter Generation im Besitz der Familie. „To’n Peerstall“ betreibt die Familie Baumgartner in zweiter Generation seit 1984. Überhaupt: Familie! Der Gast wird freundlichst begrüßt, mit Handschlag, wer es mag. Fast ausnahmslos kommen Stammgäste. Man kennt sich mit Namen, ein kleiner Flachs begleitet das Ritual, bevor man sich tresennah oder in einer der wie Boxen gestalteten Ecken niederlässt. Es duftet dezent nach Küche, wenn die Nase nicht täuscht, sind Bratkartoffeln auf dem Herd – was für eine Freude.

Die Erwartung zielt auf Saisonales, man „versteht sich trefflichst auf Grünkohl komplett“ und Gänsekeulen. Die Portionen berücksichtigen auch den größeren Appetit, der sich nach Spaziergängen durch die benachbarten Parks einstellen mag. Auf Vorbestellung gibt es auch „Gänse im Ganzen“, für die sich die Küche einen allseits beachteten Ruf erarbeitet hat. „Unser Stammpublikum kommt bis aus Bergedorf“, merkt Anna-Katharina Baumgartner nicht ohne Stolz an.

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„Die „drei vom Service“ sorgen für zufriedene Gäste
Ihren „To’n Peerstall“ wollen sie so erhalten, wie es sich jetzt präsentiert. Das Rustikale kommt an, was durch die Anzahl der Gäste, die im Mai direkt vom benachbarten Flottbeker Spring- und Dressurderby (seit 1920) einfallen, zu registrieren ist. John Whittacker, Nelson Pessoa und der unglaubliche Hugo Simon (fünfmaliger Sieger des Derbys) gehörten zu den Stammgästen. So manches „Blaue Band“ wurde hier begossen – seine Reiter auch. Damit jeder auf seinen Geschmack kommt, stehen vier Helle, ein Dunkel, ein Weizen und ein Lager zur Auswahl. Auf das Zapfen versteht sich die Tresen-Crew vorzüglich!

Während dann so manche Spirituose das Wachsen der Stimmung forciert, freut man sich schon gemeinsam auf die Leistungen der Küche.

Im Mai werden wieder Spargel und Matjes den Ton angeben. Nicht gemeinsam auf den Tellern, versteht sich. Dann wird vielleicht im Sommergarten gegessen und sich anschließend im Jenischpark die Füße vertreten.

„To’n Peerstall“? Es ist schön, dass es sowas noch gibt. Mobiltelefone dürfen gern draußen bleiben, Gäste und Service sprechen noch miteinander.

Autor: uwe.petersen(at)kloenschnack.de  

www.ton-peerstall.de

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