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Refugium für Stoiker 

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Refugium für Stoiker 

Kajüte SB 12 und Ponton Op’n Bulln 

Manuela Gehrmann mit Koch Boza. „Bemerkenswert, was die winzige Küche hergibt,“ betont die Chefin  
Manuela Gehrmann mit Koch Boza. „Bemerkenswert, was die winzige Küche hergibt,“ betont die Chefin  
Hektik ist hier am Strandweg unterhalb von Blankenese unangebracht. Die kann man getrost woanders ausleben, wo „busy, busy“ das Geschehen prägt. Hier stellt man sich „british“ an, wenn man Wünsche hat, und wartet, dass ihnen stattgegeben wird.

Gegen Mittag füllen sich die Plätze. Die Sonne ist strahlend herausgekommen und die Außenplätze sind dann schnell belegt. Rentner, Hundeausführer, Studenten, die spontan ihren Hörsaal verlegt haben. Man sitzt dicht beieinander. Quiddjes und andere Zugereiste „klönen“ spontan. Ganz anders, als man es gemeinhin den typischen Nordlichtern nachsagt. Es geht um Tagesgeschehen (wegen des allgemeinen Friedens nicht um Politik), um Klatsch vom Elbhang oder dem Treppenviertel oder um den Labrador, der gerade zur Schule geht. Zum Beispiel. Und immer um Dütt & Datt. Belauscht wurde kürzlich der Dialog eines jungen Paares, das mit Blick auf die Elbe hörbar vor sich hin sinnierte: Er: „Schon wieder Ebbe.“ Sie: „Woran siehst du das?“ Er: „Schau nur, wie weit die Schiffe aus dem Wasser ragen“. Er verweist auf einen Bulkcarrier, bei dem der Unterwasseranstrich deutlich zu sehen ist. Die beiden hatten registriert, dass einige der anderen Gäste an ihren Lippen hingen. Das verführt zu maritimem Tageslatein.

Manuela Gehrmanns emsiges Team trägt volle Tabletts zu den draußen aufgereihten Gästen (inzwischen herrscht Traumwetter!). Die hochgezogene Augenbraue straft die beiden nachsichtig ob ihres Schabernacks. Es ist sicher ein Privileg der Eingeborenen, dass denen alles geglaubt wird. Logik? Kann, aber muss nicht. Man ist ja „von hier“. Aber ob das die Gruppe aus dem Kölner Raum glaubt? Man lässt es so stehen und widmet sich erstmal den Fischbrötchen, die lecker frisch um Zuspruch buhlen. „Der Fisch kommt täglich vom Frischeparadies.

Und was dann weg ist, ist weg.“

In der winzigen Küche, die eher einer Kombüse gleicht, muss jeder Griff sitzen 
Entspannender Frühschoppen auf dem Ponton, begleitet von einer Optimisten-Regatta. Wie stimmig! 
Entspannender Frühschoppen auf dem Ponton, begleitet von einer Optimisten-Regatta. Wie stimmig! 
Auf dem Tablett steht der bestellte Matjes. Mit Bratkartoffeln, die schon aus der kleinen Küche signalisiert haben, jetzt fertig zu sein. Auf die hatte man sich schon seit den Kasseler Bergen gefreut. Begleitet wird der Teller von glücklicherweise ausreichenden Bieren. Man ist ja zu Fuß, da darf es eins der wunderbar Herben mehr sein. Manuela Gehrmann trägt das Herz am rechten Fleck. Ein gut gesetzter Flachs gibt allen Gästen das Gefühl, dazuzugehören. Zum Dessert („Nachtisch!“) gibt es kleine Crêpes mit hausgemachtem Apfelkompott. Der Zuspruch ist hörbar. Dann verlagert sich alles nach draußen an den Elbstrand. Um den Schiffen noch näher zu sein. Den riesigen Containern mit vielen Tausend Einheiten.

Keine Sensation: Einer der weißen „Bananenfrachter“. Aus Südamerika. Einer wie die Cap San Diego, die die Kölner gerade an den Landungsbrücken besichtigt haben. Gebaut 1961 und lange im Liniendienst mit Südamerika eingesetzt! Endlich konnte man Fundiertes zum Klönschnacken beitragen. Kommentare der vermutlich besser Wissenden bleiben aus. Man ist fokussiert auf die Ankunft ihres Matjes, der wohl schwimmen soll. Ungeduldig wird erstmal Hamburger Kümmel vertilgt. „Der schmeckt vor, während und nach dem Essen!“

Zum Tagesabschluss wartet noch ein Besuch beim urigen „Op’n Bulln“ zum Studium der als hiesiger Brauch gepflegten Trinkgewohnheiten. Man fühlt sich schließt schon ein wenig heimisch, will gleich am Sontagmorgen noch mal hier einkehren, um in Fernweh zu schwelgen. Von Hamburg nach Hawaii. Mindestens. Und obwohl es dort ja kein Bier geben soll …

Dann man prost!

Autor: uwe.petersen(at)kloenschnack.de

www.kajuetesb12.de

Über Hamburger Klönschnack