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Hirschkuh, Schwarzspecht und Frettchen 

NATUR

Hirschkuh, Schwarzspecht und Frettchen 

Die Welt im Wildgehege Klövensteen in Rissen 

Sikahirsche (kommen ursprünglich aus Ostasien) haben eine ähnliche Zeichnung wie die Damhirsche. Die Punkte tragen sie aber nicht nur als „Kinder“, sondern ihr ganzes Leben. 
Sikahirsche (kommen ursprünglich aus Ostasien) haben eine ähnliche Zeichnung wie die Damhirsche. Die Punkte tragen sie aber nicht nur als „Kinder“, sondern ihr ganzes Leben. 
Hiesige Landen haben als Reiseziele seit einigen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt und einleuchtend. Der KLÖNSCHNACK hat hier einmal direkt vor die eigene Haustür geschaut.

Das Wildgehege Klövensteen ist, um das als Resümee voranzustellen, allemal einen Besuch wert: Auf rund 32 der alles in allem 580 Hektar erstreckt es sich. Wer hier aus dem Auto steigt, um sich auf die Pirsch zu begeben, dem fällt sofort die Aura ins Ohr: Ein Konzert versammelter Singvögel empfängt vielstimmig. Neben allerlei Finken und Amseln lässt sich das Zetern zankender Elstern identifizieren – und ein seltsames Krächzen. Krähen? Eichelhäher? Junge Dohlen?

Wie wir dann feststellen, ist es ein Uhu, der sich „lahnend“ (Gegicker von Greifvögeln, d. Red.) zu Wort gemeldet hat.

Dr. Delling, seines Zeichens zuständig für sämtliche Belange rund um das Wild gehege und die weitere Umgebung, kommt mit seinem Schützling um die Ecke. „Der erkennt mich schon an meinen Schritten, wenn ich morgens den gepflasterten Weg entlangkomme. Dann meldet er sich in Erwartung irgendwelcher Leckerbissen.“

Viele der Kinder waren noch nie in einem richtigen Wald!  

Wildschweinen kann’s gar nicht matschig genug sein. Bache „Isolde“ hat ihren Nachwuchs, der erst einige Tage auf der Welt ist, beim Buddeln im Blick. 
Wildschweinen kann’s gar nicht matschig genug sein. Bache „Isolde“ hat ihren Nachwuchs, der erst einige Tage auf der Welt ist, beim Buddeln im Blick. 
Der Vogel ist imposant. Stoisch sitzt er auf der Hand des Pflegers und Hegers, die jetzt mit einem Lederhandschuh geschützt ist vor den messerscharfen Krallen. Ausgewachsen kommt der Uhu auf eine Größe von etwa siebzig Zentimeter, ein Gewicht von 2.600 Gramm und eine Flügelspannweite von rund 180 Zentimeter. Die Männchen sind etwas leichter und dadurch behender, vorteilhaft beim Versorgen der Restfamilie mit Erbeutetem (Mäuse, Kaninchen Igel und gern auch mal ein Fuchs). Wir verlassen das Büro mit den Regalen, die allerhand Belege des Bestands aufweisen: Geweihe vom Rothirsch, die mächtige Träger vermuten lassen. Sie werden jedes Jahr im Frühjahr abgeworfen, um Platz für ein neues zu machen. Wer ein solches Geweih findet, muss es entweder liegenlassen oder abgeben. Damit ungefragt und heimlich die eigene Kellerbar zu dekorieren, ist nicht gestattet.

Von einem Hügel aus bietet sich der Rundblick auf ein großen Wiesenareal mit einem stattlichen Rudel Rothirsche, das gelassen vor sich hin äst, während sich die Vogelwelt Hauptrollen ersingt. An einer der Futterstellen haben sich Buntspechte niedergelassen. Sogar vereinzelte Grün- und Schwarzspechte soll es hier geben, so Dr. Delling. Uns fasziniert zunächst ein eher zarter Vogel mit hellem Köpfchen. Sollte das etwa ein Goldammerhähnchen sein? Dr. Delling nickt. „Davon haben wir hier auch so einige“, fügt er hinzu, als sei es das Normalste der Welt.

Eher vertraut als unheimlich – so lange es hell ist
Eher vertraut als unheimlich – so lange es hell ist
Der Lachshuhn-Hahn ist gut bei Stimme ...  
Der Lachshuhn-Hahn ist gut bei Stimme …  
„Der Nachwuchs ruht vermutlich gut getarnt irgendwo im hohen Gras“, mutmaßt der Fachmann. Der Nachwuchs ist derart getarnt, dass das menschliche Auge ihn nicht wahrnimmt. Weiter geht es auf den gut befestigten Wegen zum nächsten Gehege. Hühner? Keine normalen Haushühner, versteht sich. „Wir kümmern uns um Rassen, die vom Aussterben bedroht sind, wie zum Beispiel das Lachshuhn.“ Es lässt sich gewerblich nicht ausreichend nutzen – schon verliert es für die Zucht an Bedeutung. „Dabei ist der Hahn eine recht imposante Erscheinung.“ Aber darum ginge es eben nicht, erklärt der Diplom-Biologe und ruft ihn beim Namen. Von wegen „Dummes Huhn“! Er hebt seinen Kopf und antwortet mit einem Krähen, wie es sonst nur oben von „eingenommenen“ Misthaufen ertönt. Was uns auffällt: Alle Bewohner des Geheges werden mit Namen angesprochen. Nun, alle etwa zweihundert dann doch nicht. Aber die ältesten, ein Damhirsch-Paar (Sie sechzehn, er elf Jahre alt, also im „besten Hirsch-Alter“). Hirschkuh „Katja“ ist übrigens kein „Albino“, sondern aus Laune der Natur völlig weiß. Die beiden sind fester Anlaufpunkt für Besucher – und für uns.

Jetzt ist es aber Zeit, etwas zur Gestaltung des Wildgeheges zu sagen. Zu allererst: Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen! Ein gepflegtes Netz von Wander- und Reitwegen führt hindurch. Der Spielplatz am Eingang, die Gastronomie „Kleine Waldschänke“ gegenüber und eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen runden die Anlage für Hamburger Ausflügler ab. Gekennzeichnete Toiletten stehen zur Verfügung.

Unter den Wildgehegen gibt es eine regelrechte Tauschbörse  

Senioren: das Damhirsch-Paar „Katja“ und „Klaus-Peter“  
Senioren: das Damhirsch-Paar „Katja“ und „Klaus-Peter“  
Frettchen Fridolin ist kein bisschen aufgeregt  
Frettchen Fridolin ist kein bisschen aufgeregt  
Wer während der Hamburger Schulferien überlegt hat, wohin man denn mit seinen Kindern mal „ausfliegen“ könnte, lernt hier eine gern besuchte und lohnende Ecke kennen. „Pflege heißt immer auch Hege“, kommt es vom Leiter. „Wir müssen den Wildbestand gesund halten und Überbevölkerung vermeiden.“ Der Verkauf von Wildbret laufe besonders in der Vorweihnachtszeit sehr gut. „Fleisch von gesünderen Tieren gibt es kaum!“ Und bevor die Stadtkinder auf die Frage, woher denn das Fleisch komme, naseweis antworten: „Von Aldi!“, kommt es eben garantiert mitten aus der Natur vom Förster – wenn sich nicht über die „Tauschbörsen“ mit befreundeten Wildgehegen ein alternatives Leben findet. Die jungen Lachshühner werden gern an Interessenten abgegeben, damit sie nicht im Topf landen! Interessierte mögen sich einfach mal melden.

Insgesamt ist das Wildgehege ein „Erholungswald mit Bildungsauftrag“ und vielem offen: So werden in Absprache mit den benachbarten Kirchengemeinden Gottesdienste abgehalten, Taufen oder Hochzeiten. Führungen mit versierten Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen können gebucht werden. Wer einmal erlebt hat, wie vor allem Kinder (die vielleicht noch niemals im Wald waren) auf „richtige“ Bäume und Vögel reagieren, kann sich nur mitfreuen. Von den Frettchen „Frieda“ und „Fridolin“ noch gar nicht geredet. Eichhörnchen spricht eine besondere Futterstelle an. Zutraulich versorgen sie sich nach Bedarf dort.

„Wir haben durchaus den Anspruch, Wissen zu vermitteln!“

Der Schulungsraum, „die Waldschule“, liegt am Haupteingang des Wildparks  
Der Schulungsraum, „die Waldschule“, liegt am Haupteingang des Wildparks  
Die Wildschweine sind immer ein Hingucker, wenn sie sich genussvoll suhlen im Morast. Im Frühsommer kommen die Frischlinge. Zunächst laufen sie gestreift durcheinander, recht possierlich und früher oder später konzentriert auf das Gesäuge der Mutter, der Bache. Die Streifen verlieren sie nach etwa einem Vierteljahr. Die Wildschwein-Eltern sind in dieser Zeit mit Vorsicht zu genießen und grundsätzlich durch Zäune vom übrigen Gehege getrennt. Alles wird vom Förderverein Klövensteen e.V. unterstützt, „was unbedingt betont werden sollte“, legt sich Dr. Delling ins Zeug.

Eicheln zum Beispiel werden von Wildschweinen geliebt, aber keine „frischen“, die mit ihrer Gerbsäure schwer verdaulich sind. Viele Besucher bringen oft Essensreste, Backwaren, Obst, Gemüse oder gar Nudeln mit in das Wildgehege, um diese zu verfüttern. Dieses Futter entspricht nicht der natürlichen Ernährungsweise der Tiere und hat daher schwerwiegende Krankheiten, Fehlernährung und gesundheitliche Probleme bei den Tieren zur Folge! „Die Gesundheit der tierischen Bewohner ist das wichtigste,“ wirft der promovierte Tiergartenbiologe ein. „Deshalb ist das Zufüttern den Besuchern untersagt.“ Hunde müssen strikt an der Leine geführt werden, um Frieden zu bewahren. Sonst drohen sogar Ordnungsstrafen!

Ein Rudel Rothirsche, die „Chefs“ noch mit Bast ums Geweih, der später „gefegt“ wird, bevor es zur Brunft geht
Ein Rudel Rothirsche, die „Chefs“ noch mit Bast ums Geweih, der später „gefegt“ wird, bevor es zur Brunft geht
Im Herbst stehen Sammelbehälter für Eicheln und Kastanien bereit. Die Früchte werden getrocknet, um dann über den ganzen Winter hinweg als beliebtes Zusatzfutter zu dienen. Wer den Tieren „etwas Gutes tun“ mag, gibt Futterspenden an der entsprechenden Stelle ab. Die Tierpfleger sorgen dann für die Fütterung in verträglichem Maße. Der Spielplatz am Eingang des Wildgeheges und die Gastronomie „Kleine Waldschänke“ gegenüber bieten Gelegenheit zum Rasten und Einkehren der Besucher. Für Schulungen (Seminare mit Bezug zu Naturthemen) gibt es spezielle Räume. Im Wildgehege Klövensteen sind sie mit viel Holz gezimmert.

Dr. Delling schaut auf die Uhr: Fütterungszeit. Um den Uhu kümmert er sich persönlich. „Der ist auch immer der „Held“ bei Schulklassen“, lacht er. „So etwas imposant Tierisches haben ja die meisten Kinder noch nicht erlebt.“ Die possierlichen Waschbären und Marder sind kaum zu Gesicht zu bekommen, dann schon eher einer der Pfauen, die radschlagend und angeberisch signalisieren, wer hier nach ihrer Meinung der Chef ist.

Autor: uwe.petersen(at)kloenschnack.de 

www.hamburg.de/altona/forst-kloevensteen

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