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Die Müllkinder von Blankenese 

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Die Müllkinder von Blankenese 

Freizeit und was nun? 

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Party im Goßlers Park: Saufen, Kiffen, Klönen – und Müllen. Wird’s zu laut kommt die Polizei FOTO: KRAUSE 
Mildes Wetter, Leute treffen – was soll man auch sonst tun? Blankeneses Parkflächen bieten sich an, sehr zum Leid der älteren Generationen. Blankeneser erwägen alles zwischen Mülleimer und MEK.

Was ist hier los? Das fragen sich Spaziergänger und Anwohner des Goßlers Park im Frühjahr aufs Neue. Die zentrale Wiese des Parks ist ein Schlachtfeld, angefüllt mit Glas, Weißblech, Grillkohle und anderem Mist und die Schuldigen sind schnell gefunden: Schüler der umliegenden Gymnasien, die sich bei Rewe mit Sprit eindecken und dann als nicht gerade intellektuell getarnte Karawane in den Park ziehen. Dort wird gefeiert, gegrillt, gekifft, geknutscht. Ab und zu kommt die Polizei und nahezu wöchentlich ergeht die Aufforderung an die Lokalpresse, die Zustände zu dokumentieren.

Der vermüllte Goßlers Park ist damit ein exzellenter Aufreger – der allerdings beträchtlich an Dramatik verliert, wenn man eine objektive Betrachtung versucht.

„Jugendtypisches Verhalten“ konstatierte bereits 2014 der stellvertretende Leiter des Polizeikommissariats 26, Torsten Ley, gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“. Das jugendliche Bedürfnis nach Freiraum und einigermaßen begrenztem Chaos ist so alt wie die Menschheit, die historische Grünoase des Goßlers Park damit überfordert. Andererseits ist der Park auch geradezu demonstrativ bieder angelegt. Es gibt weder genug Mülleimer noch einen befestigten Platz zum Grillen (der den übelsten Dreck einigermaßen kanalisieren könnte). Letztlich tut der Park so, als bestünde die umliegende Bevölkerung lediglich aus Spaziergängern, Hundehaltern und Joggern. Sonderbar auch der wiederkehrende Hinweis von Anwohnern, bei den Jugendlichen handelte es sich um Sprösslinge aus betuchtem Hause – so als hätte die Dicke der väterlichen Brieftasche zwangsläufig ein sanftes Sozialverhalten zur Folge.

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Nicht genug Mülleimer, kein Platz zum Grillen …

Angeregt wurden nun private Parkwächter, die Störenfriede verjagen. Die Frage ist nur: Wohin? In den Römischen Garten, an den Elbstrand? Jugendliche, die hier leben, lassen sich weder verbieten noch vertreiben, so verlockend es einigen auch erscheinen mag. 

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Montagmorgen: Ein Traktor fegt aus  
Die Behörden sehen das Thema dementsprechend pragmatisch. Die Polizei kommt bei Ruhestörung oder echter Randale, sonst nicht. Nach Sonnentagen dreht ein Traktor der Stadtreinigung seine Runden und fegt den Müll in kurzer Zeit zusammen.

Für die Beamten des PK 26 ist das Thema damit erledigt. Nochmal Torsten Ley: „Im Vergleich zu anderen Stadtteilen ist die Welt aus polizeilicher Sicht in Blankenese noch in Ordnung.“

Einer der Jugendlichen hätte das wohl mit „Chillt mal!“ ausgedrückt.

Und etwas anderes wird den älteren Blankenesern auch kaum übrig bleiben.

Autor: tim.holzhaeuser(at)kloenschnack.de

Simon Küchen

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