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Spitzenförderung „made in Hamburg“

FÖRDERUNG

Spitzenförderung „made in Hamburg“

GASTKOLUMNE: IRENE SCHULTE-HILLEN: Musik

Irene Schulte-Hillen ist Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben FOTO: DAVID AUSSERHOFER
Irene Schulte-Hillen ist Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben FOTO: DAVID AUSSERHOFER
Seit der Elbphilharmonie-Eröffnung ist die Euphorie groß: Hamburg will Musikstadt werden. Da ist Nachwuchsförderung auf Spitzenniveau gefragt.

Unlängst noch hielt sich hartnäckig das Vorurteil: Die Klassik ist vom Aussterben bedroht, das Publikum überaltert. Die Schwelle für die neue Generation scheint unüberwindbar, der deutsche Nachwuchs wird von internationaler Konkurrenz überrannt. Ist das wirklich wahr?

In Hamburg scheint die Vision der „Musikmetropole“ mit der Eröffnung der Elbphilharmonie plötzlich zum Greifen nah. Immer mehr junge Menschen interessieren sich für klassische Musik. Nie zuvor gab es so vielfältige Konzerte; Musikfestivals und Konzerthäuser verzeichnen Besucherrekorde.

Wenn ich auf unsere Stipendiaten schaue, die wir häufig in jungen Jahren entdecken und viele Jahre lang begleiten, dann erlebe ich immer wieder, wie sich junge Menschen – zunächst aus reiner Freude an der Musik – durch außergewöhnliche Begabung, Leidenschaft und Durchhaltevermögen zu großen Musikerpersönlichkeiten entwickeln.

Für die wachsende Zahl unserer Stipendiaten aus fernen Ländern ist Deutschland ein Paradies, auch wegen der Vielfalt an Musikhochschulen, einer einzigartigen Orchesterlandschaft und Auftrittsmöglichkeiten wie in keinem anderen Land der Welt. Doch es bedarf vieler Kräfte, dieses große kulturelle Erbe zu bewahren, es lebendig zu halten und für neue Generationen zu öffnen. Hier ist nicht nur der Staat, sondern jeder einzelne Musikfreund gefragt.

Gerade in Hamburg hat bürgerschaftliches Engagement für Kunst und Kultur, insbesondere für die Musik, eine lange Tradition. Und so kam es, dass vor 55 Jahren zwei Hamburger Bürger, der Musikverleger Hans Sikorski und der Bankier Wolfgang Essen, gemeinsam mit Persönlichkeiten aus dem ganzen Lande, die Deutsche Stiftung Musikleben gründeten – aus Sorge um den musikalischen Nachwuchs. Düster sah es in der Nachkriegszeit aus für junge Leute, die den Wunsch hatten, eine professionelle Karriere in der Musik einzuschlagen. Zu teuer die Ausbildung, zu schlecht die Aussichten, von ihrer Kunst leben zu können.

Auch heute ist der Weg eines jungen Musikers auf die Konzertpodien Deutschlands und der Welt alles andere als einfach. Die internationale Konkurrenz ist groß, die Ausbildung bleibt teuer. Und doch sind die Aussichten nicht mehr hoffnungslos. Die Eröffnung aufregender neuer Spielstätten – der Pierre Boulez Saal in Berlin, das Musikforum Ruhr in Bochum, die Elbphilharmonie in Hamburg – ist auch für den Nachwuchs eine große Verheißung!

Unser Ziel ist es bis heute, dass keine große Begabung verloren geht, sondern die Förderung bekommt, die sie braucht. In den Jahren nach ihrer Gründung hat die Deutsche Stiftung Musikleben vor allem den Wettbewerb „Jugend musiziert“ und das Bundesjugendorchester gefördert, beides erfolgreiche Projekte des Deutschen Musikrats. Vor 25 Jahren starteten wir aus unserer Geschäftsstelle am Hafenrand ein eigenes bundesweites Förderprogramm für den Spitzennachwuchs in der klassischen Musik – ermöglicht ohne staatliche Zuschüsse, einzig durch Freunde und Förderer aus ganz Deutschland, vor allem aber aus Hamburg!

Die notwendigen Mittel einzuwerben ist nicht leicht. Die andauernde Niedrigzinsphase, Zukunftssorgen bei einer instabilen Weltlage und globale Probleme eines bisher unbekannten Ausmaßes erschweren die Bitte um Spenden für unsere gute Sache. Und doch finden wir immer wieder Menschen, die wissen, dass Kunst und Kultur kein Luxus sind, sondern ein kostbares Gut. Nur dank des Engagements unserer Freunde, Förderer und Partner konnte in den letzten 25 Jahren der Deutsche Musikinstrumentenfonds aufgebaut werden, der junge Geiger, Bratscher, Cellisten und Kontrabassisten mit hervorragenden Streichinstrumenten ausstattet und heute mehr als 200 Instrumente umfasst, die aus Stiftungs- und Bundesbesitz stammen, zu mehr als der Hälfte jedoch Treugaben aus Privatbesitz sind – Familienstücke, die so zu neuem Leben erweckt werden und einem jungen Menschen eine Karriere ermöglichen.

Mit unserer Konzertreihe „Foyer Junger Künstler“ geben wir seit 25 Jahren schon den jüngsten Stipendiaten die Möglichkeit, wichtige Auftrittserfahrungen zu sammeln. Als zugewandtes Publikum über Jahrzehnte spielt der Freundeskreis der Stiftung dabei eine sehr wichtige Rolle!

Darüber hinaus vergibt die Stiftung Stipendien für Studienaufenthalte, Meisterkurse und Wettbewerbe im Ausland. Besonders engagierte Freunde übernehmen eine Patenschaft und fördern einen jungen Musiker, damit sich die „Rising Stars“ voll undganz auf ihre musikalische Entwicklung konzentrieren können.

Und dann stehen diese jungen Hoffnungsträger irgendwann auf den großen Bühnen, wie in der Eröffnungssaison der Elbphilharmonie unsere Alumni: die GeigerInnen Isabelle Faust und Augustin Hadelich, die Cellisten Nicolas Altstaedt und Julian Steckel, die PianistInnen Alice Sara Ott, Mariam Batsashvili und Igor Levit oder Organist Christian Schmitt – Vertreter einer neuen Solistengeneration, die international für Furore sorgt.

In diesem Jahr feiert die Stiftung ihren 55. Geburtstag und das – fast auf den Tag genau am 23. Oktober – mit einem Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie. Ein schöneres Geschenk konnten wir uns nicht wünschen! Zu hören sein werden vielversprechende Stipendiaten und Alumni, die ihren Weg an die Spitze der Klassikwelt bereits geschafft haben. So klingt Spitzenförderung „made in Hamburg“, so klingt die Zukunft!

Irene Schulte-Hillen

Über Hamburger Klönschnack