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MEIN ARBEITSPLATZ als Sargträger

ARBEITSPLATZ HAMBURG

MEIN ARBEITSPLATZ als Sargträger

Kolonnenführer

MEIN ARBEITSPLATZ: „Wenn Sie eine Hamburger Beerdigung erleben, fallen sofort die ernsten älteren Männer auf, die in typischer Hamburger Tracht mit Chorrock, Dreispitzhut, weißem Kragen und Handschuhen den Sarg tragen. Mir gefällt besonders, dadurch zu einem angemessenen letzten Weg beizutragen. Damit alles klappt, besprechen wir bis ins Detail, wer was wann beizutragen hat. Disziplin ist oberstes Gebot. Alles geschieht in Absprache mit dem Beerdigungsunternehmer.“

GERHARD GAFFKE, SARGTRÄGER

Der Mann hat sein Leben lang körperlich gearbeitet. Das spürt, wer die riesigen Hände schüttelt. Als gelernter Kraftfahrzeug-Mechaniker war Körpereinsatz gefragt. „Ich muss immer ‘was machen“, kommentiert er bereitwillig sein jetziges Engagement. „Mit Erreichen des Rentenalters habe ich mich umgehend auf eine Anzeige der GTB (Genossenschaft für Trägergestellung im Bestattungswesen) beworben. Statt Ruhestand!“, wie er betont.

Gerhard Gaffke, Sargträger in Hamburger Tradition
Gerhard Gaffke, Sargträger in Hamburger Tradition
Inzwischen agiert er als Kolonnenführer und hat das Sagen am Sarg, wenn es etwas zu sagen gibt. Die fünf bis sieben Mitträger stellt er zusammen, „in etwa gleicher Größe, damit der Sarg nicht in Schieflage kommt“.

Die Bestatter bestellen die Träger direkt bei der Genossenschaft für Trägergestellung. „Wir begleiten in ganz Hamburg letzte Wege, verstärkt in den Elbvororten. Aber auch in Mecklenburg und Niedersachsen.“ So ein Eichensarg wiegt schnell mal 200 bis 250 Kilogramm. Da müssen die älteren Herren belastbar sein. Die Ausstattung der Zeremonie wird aus drei Klassen gewählt: Klasse 1 beinhaltet Kniebundhose, kurze Jacke, weißer Kragen, Dreispitzhut, Schuhe mit Schnallen, weiße Handschuhe und – auf Wunsch – mit Trauerdegen. Der schwarze Umhang ist Standard. Dem Anlass geschuldet treten die Herren stets ernst, würdevoll und im Gleichschritt auf. „Sonst wackelt der Sarg.“. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Viel Prominenz hat er getragen. „Und Hamburger Künstler“, fügt er ein wenig stolz hinzu. Alles geschieht in Absprache mit den Hinterbliebenen und dem Bestatter. Sorgen? Wegen des Nachwuchses. Bewerber wenden sich bitte direkt an die GTB.

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