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Ein Zufluchtsort bei Büchern 

HAUSBESUCH

 

Ein Zufluchtsort bei Büchern 

Dr. Helmut Junge, ehemaliger Notar 

 

In Dr. Helmut Junges Büro befinden sich zahlreiche alte Gesetzesbücher und Lexika
In Dr. Helmut Junges Büro befinden sich zahlreiche alte Gesetzesbücher und Lexika
In der Sibbertstraße in Blankenese befindet sich ein Büro der besonderen Art. Der Besitzer erteilt hier nicht nur Rechtsrat, sondern blättert auch in alten Gesetzestexten und Fachzeitschriften. 

 

Über dem Schreibtisch hängt ein Schild mit den lateinischen Worten „Beatus ille qui procul negotiis“ – Glücklich ist jener, der fern von Geschäften ist. Ein Widerspruch in sich, denn Dr. Helmut Junge, ehemaliger Notar in Blankenese, bekommt nicht genug von seinen Geschäften.

Seit 2001 fährt der 86-Jährige wochentags für die Zeit von 6 bis 13 Uhr in sein privates Büro in Blankenese und bietet Rechtsrat an. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss dienten Junge zuvor als Lager. Seine Tochter, eine Architektin, ließ die Wohnung in ein großzügiges Privatbüro umbauen – inklusive eigener Bibliothek.

„Das Büro war ursprünglich für Anwaltstätigkeiten gedacht, mittlerweile ist es eher ein Refugium, eine Fluchtburg für einen alten Mann“, erzählt Junge. „Ich bin mit meiner Frau seit 57 Jahren verheiratet, da tut es uns beiden gut, wenn ich den halben Tag weg bin. Auch meine Frau ist froh, wenn sie mich mal los ist.“

„Das Büro ist mittlerweile eher ein Refugium, eine Fluchtburg für einen alten Mann.“  
In seinem Büro bekommt der Blankeneser immer wieder spontan Besuch, da man bei ihm einfach klingeln kann. Freunde und Bekannte aus der aktiven Arbeitszeit melden sich regelmäßig in seinem Zufluchtsort, auch wenn sie altersbedingt deutlich weniger geworden sind. Hauptsächlich geht Helmut Junge seinem Hobby nach, juristische Fachzeitschriften zu lesen, die er sich jede Woche neu bei einem Notar abholt. Ihm ist wichtig, auch heute noch auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Ein Griff ins Bürcherregal lohnt sich für ihn ebenfalls. Die Privatbibliothek, in der sich auf mehreren Regalen alte Bücher bis unter die Decke stapeln, enthält Raritäten wie preußische Gesetze aus dem 18. Jahrhundert oder alte Lexika in Sütterlinschrift, bei denen der Einband zerfällt. Eine weitere Leidenschaft Junges sind historische Karten vom alten Altona und den Elbvororten, welche die Wände des gemütlichen Raumes zieren.

Nach getaner Arbeit und einem einstündigen Spaziergang durch Blankenese geht es für den alten Justiziar zurück nach Hause zum Mittagessen zu seiner Frau. Oder auch zum Kegelclub von 1831, bei dem das Ehepaar seit Jahrzehnten Mitglied ist.

Autorin: louisa.heyder(at)kloenschnack.de

 

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