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„Der Blaue Planet ist ein Geschenk“

INTERVIEW DES MONATS 

„Der Blaue Planet ist ein Geschenk“

Sagen Sie mal …
… Christian Rudolf, Schauspieler und Sänger

Zum Gespräch erscheint der Schauspieler auf die Minute genau. Er spannt den Bogen von der Telenovela über Lars von Trier. Am Ende wird kurz der Osterspaziergang rezitiert.

Problemlose Dreharbeiten: „Wenn die Roten Rosen drehen, dann drehen sie“
Problemlose Dreharbeiten: „Wenn die Roten Rosen drehen, dann drehen sie“
Herr Rudolf, hat man Ihnen angesichts der erfolgreichen Telenovela „Rote Rosen“ bereits die Ehrenbürgerschaft Lüneburgs angetragen?

Mit der Stadt Lüneburg habe ich gar nicht so viel zu tun. Selbst Außenaufnahmen weden im Studio nachgestellt. Wir drehen dabei so viel – mehr geht nicht an Pensum. An einem Tag hatte ich mal 42 Seiten Dialogtext.

Wie lernen Sie diese Menge Text?

Das macht jeder anders. Ich stehe an manchen Tagen um 5 oder 6 Uhr auf und lerne meinen Text. Dann fahre ich zum Drehen. Oft bin ich dann am Abend zwischen 7 und 8 Uhr zu Hause. Oft bin ich dann durch, mache mir ein Bier auf und gucke Tagesschau.

Auch ohne Ehrenbürgerschaft, für Lüneburg sind die „Roten Rosen“ von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Beide, Stadt und Produktion, profitieren voneinander. Die Außenaufnahmen gehen problemlos.

Wenn die Roten Rosen drehen, dann drehen sie. Lüneburg hat aber auch tatsächlich viel von der Produktion. Etwa den Tourismus und die Hotels.

Wie erklären Sie sich den Erfolg der Telenovela?

Sie macht das Leben ein wenig leichter, dabei die Probleme ein wenig kleiner.

Besteht nicht die Gefahr, bei so intensiven Dreharbeiten, schwer vom Privatleben trennen zu können?

Es sind keine extremen Charaktere. Das wäre etwa anders, wenn ich Adolf Hitler spielen müsste. Hier geht es um abgeschlossene Geschichten, die jedesmal finalisiert werden.

Sie arbeiten als Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher. Was bevorzugen Sie?

Besonders liegen mir die Songs von Rio Reiser. Als wir kürzlich mit der Gruppe, dem „Kommitee für Unterhaltungskunst“, auftraten, entstand mit dem Publikum eine ganz besondere Symbiose.

Was schätzen Sie an Rio Reisers Texten besonders?

Viele der Texte machen klar, dass jeder bei sich selbst anfangen muss, wenn er etwas verändern will. Die Songs haben auch heute noch so viel Kraft.

Gibt es einen Lieblingssong von Rio Reiser?

Ich mag „Wann“ sehr gerne, weil er sehr aktuell ist und die Leute anregen soll, selber aktiv zu werden, anstatt passiv Kritik zu üben. Um zu sagen: „Ich habe es in der Hand und habe jeden Tag die Gelegenheit, die richtige Entscheidungen zu treffen. Wenn ich das nicht anpacke, kann ich nicht mit dem Finger auf andere zeigen.“

Kollidiert Ihre politische Orientierung mit der heilen Welt, die „Rote Rosen“ suggeriert?

Ich finde nicht, dass es kollidiert, sonst würde ich das nicht machen. Ich habe ein paar Prinzipien. So würde ich nie ins Dschungelcamp oder zu Big Brother gehen oder Werbung für politische Parteien rechts der SPD sprechen. Die „Roten Rosen“ kollidieren nicht mit den Inhalten von Rio Reiser. Diese Telenovela schadet niemanden und macht vielen Leuten eine Freude.

Wenn Sie sich entscheiden müssten zwischen Synchronsprechen, Bühnenschauspielerei oder dem Mitwirken in der Telenovela. Wofür würden Sie sich entscheiden?

Für Lars von Trier oder den Tatortkommissar. (Lacht) Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich vermutlich nur drehen.

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Wo wären Sie am liebsten Tatortkommissar?

In Hamburg natürlich! Hamburg ist meine Stadt.

Gibt es einen Tatortkommissar, der Ihnen am meisten imponiert?

Ich finde zum Beispiel Wotan Wilke Möhring toll. Auch die Geschichten vom Münchner Tatort finde ich großartig. Mehmet Kurtuluş wohnte ja auch in Blankenese, macht das aber nicht mehr – schade.

Die Hochkultur macht sich über Telenovelas bestenfalls lustig oder ignoriert sie weitgehend.

Die Haltung von der „Süddeutschen“ und anderen kann ich nicht einschätzen. Aber auch wenn Menschen sagen, es sei ihnen zu flach, kann ich das gut akzeptieren. Bei Kritik würde ich genau hinhören und könnte sie auch nachvollziehen, kann aber auch verstehen, dass man sich Telenovelen anguckt. Man kann ja nicht 24 Stunden am Tag Probleme lösen, sondern muss auch mal abschalten – und einige können das nunmal gut mit Serien.

Sind Sie selbst Fernsehzuschauer?

Meine Programme kann ich selbst an fünf Fingern abzählen. Politische Sendungen interessieren mich, außerdem gucke ich gerne Dokumentationen aus den öffentlichrechtlichen Sendern. Ich schaue gerne Tatort und leidenschaftlich Fußball. Privatsender eigentlich gar nicht.

Haben Sie einen Lieblingsfilm?

„Breaking the Waves“ war ziemlich stark. Mein Lieblingsfilm ist aber eigentlich „Jenseits der Stille“ von Caroline Link. Ich möchte einfach von Filmen berührt werden.

Sie sind nach dem Fall der Mauer nach Blankenese gekommen. Warum sind Sie hier hängengeblieben?

Das besondere an Blankenese ist, dass es so gar nicht dem Klischee von „Schnöselhausen“ entspricht. Es gibt viele Künstler und Querdenker.

„Eine Form von Dankbarkeit zeigen …“

Für mich bedeutet Blankenese eine hohe Lebensqualität. Das Treppenviertel, die Nähe zur Elbe – Klein-Italien eben.

Waren Sie in der DDR ein Regimekritiker?

Ja. Ich durfte kein Abitur machen, weil ich keine Jugendweihe abgelegt habe. Damals wurde ich gegen das System erzogen. Dabei ging es mir nie schlecht. Das einzige, was ich vermisst habe, war, meine Verwandten regelmäßig zu sehen oder mich politisch frei äußern zu können.

Wo finden Sie sich heute politisch wieder?

Unabhängig von jeder Parteienlandschaft leben wir in einer Zeit, in der wir die Welt bewusster sehen. Ich bin absolut überzeugt von der grünen Idee, die sich auf Umweltschutz konzentriert.

Unabhängig von meinem christlichen Glauben finde ich, dass dieser Blaue Planet ein Geschenk ist, das wir nicht würdigen. Und das ist etwas sehr Wesentliches, das setzt voraus, dass wir uns anständig benehmen. Hier wird es dann doch wieder christlich, denn anständig benehmen müssen wir uns gegenüber unserer Umwelt und unseres Nächsten, unabhängig von der Hautfarbe. Das ist ein sehr sozialer Gedanke in Kombination mit einem grünen.

Zum Schluss noch eine kurze Botschaft für unsere Elbvorortler.

An die Blankeneser: Wir sollten unseren schönen Flecken auch wirklich bewusst erleben und immer eine Form von Dankbarkeit mitnehmen. Das machen aber auch viele. Ich denke mir manchmal: „Du hast so eine schöne Wohnung – eigentlich müsstest du jemanden aufnehmen.“

Fürs Foto brauche ich noch eine engagierte Geste von Ihnen …

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …

Herr Rudolf, der KLÖNSCHNACK dankt für das Gespräch und wünscht viel Glück mit der Rolle des Tatort-Kommissars.

Gespräch und Fotos: helmut.schwalbach(at)kloenschnack.de

www.fernsehserien.de/rote-rosen

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