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„Anstand ist immer modern“

INTERVIEW DES MONATS 

„Anstand ist immer modern“

Sagen Sie mal …
… Gunter Mengers, Unternehmer

In diesem Jahr feiert die „Versammlung eines ehrbaren Kaufmanns“ ihr 500-jähriges Bestehen. Der KLÖNSCHNACK sprach mit dem Vorsitzenden der Vereinigung, einer der ältesten ihrer Art.

„Ein Mann, ein Wort ...“
„Ein Mann, ein Wort …“
Herr Mengers, so spekulativ diese Aussage sein mag: Als Ihre Vereinigung vor 500 Jahren gegründet wurde, war das Ansehen von Kaufleuten eher zweifelhaft.

Tatsächlich bewegen wir uns in einem spekulativen Bereich. Der Ursprung unserer Vereinigung liegt darin begründet, dass man sich, wie in anderen beruflichen Zweigen auch, zusammengetan hat, um mehr Sicherheit und Stabilität zu erreichen. Um damals mit dem Ehrbaren Rat der Stadt Hamburg auf Augenhöhe sprechen zu können, gab man sich die Bezeichnung „Ehrbare Kaufleute”.

Erasmus von Rotterdam galten Kaufleute, ich zitiere, als die törichste und schmutzigste Menschenklasse“. Sie trieben das verächtlichste aller Gewerbe.

Damals wie heute gibt es in jeder Branche ehrliche und unehrliche Menschen. Ehrbare und unehrbare Automobilhersteller etwa so wie auch Journalisten.

Bleiben wir einen Moment bei dem Beispiel Automobilhersteller …

Das ist derzeit vielleicht ein nicht so gut gewähltes Beispiel. Bleiben wir aber kurz bei dem Begriff Ehrbarkeit. Das sind für mich Eigenschaften wie Anstand, Zuverlässigkeit, Werteorientierung – ein Mann ein Wort. Das gilt für alle Branchen. Insofern geht die häufige Darstellung des Kaufmanns als profitgieriger Pfeffersack deutlich an der Realität vorbei.

In den Wirtschaftsteilen wird so manches Vorurteil bestätigt.

Es macht mich betroffen, was in Teilen von Unternehmen, mit weltweit großen Namen, passiert ist und dass die Verfehlungen in Führungsebenen ein negatives Image ausstrahlen, was auf den Kaufmann/Unternehmer generell ein schlechtes Licht wirft. Jede Führungskraft trägt Verantwortung und kann sich nicht damit entschuldigen, nichts gewusst zu haben.

Ein Reeder, der vor 200 Jahren mit Sklaven gehandelt hat, kann nicht mit dem heutigen Begriff von Anstand beurteilt werden. Definiert jede Zeit den Begriff Anstand also anders?

Es ist sicherlich richtig, dass sich Anstandsbegriffe verändern, und das ist auch sehr positiv.

Das Bewusstsein und die Bemühung für „Fair Trade” sind ein gutes Beispiel, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Auf kleineren Kaffee- und Kakao-Plantagen werden wohl auch heute noch bei den Ernten sicherlich im Bedarfsfall alle Familienmitglieder eingesetzt, weil dies die Grundlage für den Lebensunterhalt ist. Das ist doch nicht verwerflich.

Wie verhalten sich Anstand und Gewinnstreben?

Es gab schon immer zuverlässige, anständige Kaufleute und auch „schwarze Schafe”. Gleichzeitig muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Menschen heute noch mehr vom Gewinnstreben getrieben werden. Die Herausforderungen sind größer, die Reaktionszeiten kürzer, es wird noch mehr auf Rentabilität geachtet, was sicherlich die Grenzen des Anstands manchmal etwas verwischt. Es ist für manche Branchen insgesamt eine harte Zeit.

Gewinn um jeden Preis?

Der anständige Kaufmann tut nichts Verwerfliches. Gegen Gewinnoptimierung ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn dabei die Regeln des Anstands eingehalten werden, zumal daraus auch wieder Werte für die Wirtschaft geschaffen werden.

„… ein ehrbarer Kaufmann tut nichts Verwerfliches.“

Mussten schon mal Mitgleider Ihrer Vereinigung ausgeschlossen werden?

Das ist schon mal passiert. In zwei, drei Fällen wurde es Mitgliedern nahe gelegt, die Vereinigung zu verlassen. Wir sehen schon genau hin, ob sich das Verhalten der Mitglieder mit unserem Leitbild vereinbaren lässt.

Was sagen Sie zu dem Geschehen rund um die HSH-Bank?

Unabhängig von der HSH weiß ich, dass in der Bankenszene häufig nach dem Motto gehandelt wurde: Wenn andere in bestimmten Geschäftsbereichen gute Ergebnisse erzielen, dann schaffen wir das auch. In diesem speziellen Fall kann ich das nicht beurteilen.

Bäckerei Hartmut Körner e.K.
Auch einige Hamburger Reeder sind ins Schleudern geraten. Wie vereinbart sich das mit einem seriös handelnden Kaufmann?

Das ist eine momentan sehr schwierige Branche. Einige Reeder haben in der Vergangenheit Schiffe bestellt, weil sie die Entwicklung des Welthandels optimistisch beurteilt haben. Nicht alles trifft so ein, wie man es sich vorstellt oder erhofft.

Anstand ist eine zeitlose Charaktereigenschaft?

Anstand ist immer modern. Das gilt für alle Berufe. Wenn jemand einen Geschäftspartner hintergeht, weil er auf einen Vorteil hofft, dann ist das nicht anständig. Das gilt damals wie heute.

Haben Sie Kritik an Ihrer Vereinigung?

Nein. Wir haben allerdings das Ziel, zukünftig noch mehr in Erscheinung zu treten, das heißt die Hamburger Kaufmannschaft durch die VEEK noch deutlicher darzustellen.

„Wir haben in diesem Jahr 109 neue Mitglieder gewonnen.“
„Wir haben in diesem Jahr 109 neue Mitglieder gewonnen.“
Wie stehen Sie zum Wandel in der Handelskammer?

Die Handelskammer ist demokratisch gewählt worden. Das müssen alle akzeptieren. Für uns war das Ergebnis auch überraschend.

„Werte wie Anstand gelten immer.“

Bedauerlich finde ich die Tatsache, dass sich nur 18 Prozent der Kaufleute an der Wahl beteiligt haben. Wir verfolgen die Entwicklung natürlich mit großem Interesse.

Wie sehen Sie die Zukunft der Vereinigung Der Ehrbare Kaufmann?

Sehr positiv. Mit meiner Amtsübernahme Anfang dieses Jahres habe ich begonnen, weitere Damen und Herren anzuschreiben, um sie als Mitglied zu gewinnen Dabei hatte ich eine sehr positive Resonanz. So haben wir in diesem Jahr bereits über 100 neue Mitglieder zu verzeichnen. Das Bewusstsein für die Werte, um die es uns geht, nimmt in dieser oft hektischen Zeit wieder deutlich zu. Bei aller technischer Raffinesse wächst das Bedürfnis, sich wieder auf den einzelnen Menschen verlassen zu können.

Das Spektrum von Kaufleuten hat sich in den Jahrhunderten stark vergrößert. Wie sehen Sie den Stellenwert dieses Berufsstandes?

Die Stimme des Kaufmanns wird weiter an Bedeutung gewinnen. Ebenso die Begriffe Werte und Ehrbarkeit.

Herr Mengers, der KLÖNSCHNACK dankt für das Gespräch.

Gespräch: helmut.schwalbach(at)kloenschnack.de

www.veek-hamburg.de

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