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Erahnen ältere Menschen Unfallgefahren eher?

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Erahnen ältere Menschen Unfallgefahren eher?

Autofahren im Alter

Frank-Roland Hillmann ist Fachanwalt für Verkehrsrecht
Frank-Roland Hillmann ist Fachanwalt für Verkehrsrecht
Verkehrsanwalt Frank-Roland Hillmann erklärt, warum kaum ein erfahrener Autofahrer ohne erneutes Büffeln die theoretische Führerscheinprüfung bestehen würde und warum Senioren trotz ihres Alters oft die Besseren hinterem Steuer sind.

Herr Hillmann, im Zuge einer Führerschein-Umfrage testete die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutscher Anwaltvereins (DAV), der Sie angehören, kürzlich das Verkehrswissen von Autofahrern in Berlin, Hamburg und München. Das Ergebnis: 97 Prozent würden die Theorieprüfung nicht erneut bestehen. Überrascht Sie das?

Nein, das Ergebnis erstaunt mich nicht. Das Abitur würde man nach einigen Jahren wahrscheinlich auch nicht aus dem Stand wieder bestehen. In beiden Fällen handelt es sich um Prüfungssituationen, auf die man sich gezielt vorbereitet hat. Die Anforderungen kann man später ohne eine erneute Vorbereitung nicht mehr erfüllen.

Gäbe es weniger Unfälle, wenn es regelmäßige Nachprüfungen geben würde?

Die meisten Unfälle resultieren aus Unaufmerksamkeit und Fahrlässigkeit, deswegen wären solche Wiederholungstests aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Die Autofahrer verfügen ja über das Basiswissen, das heißt, sie kennen die wichtigsten Regeln und können sie in der Praxis anwenden. Jeder weiß zum Beispiel, dass man an einer roten Ampel anhalten muss oder dass „Rechts vor Links“ gilt. Außerdem halte ich es für logistisch kaum machbar, mit allen Führerscheinbesitzern regelmäßige Tests durchzuführen. Der damit verbundene Aufwand wäre für alle Beteiligten unzumutbar.

Spielen Kriterien wie Geschlecht und Alter für die Unfallhäufigkeit eine Rolle?

Männer und Frauen fahren grundsätzlich gleich gut, aber ältere Autofahrer sind laut Statistik tatsächlich weniger unfallauffällig als jüngere. Sie passen ihren Fahrstil den Gegebenheiten an. Gesundheitliche Beschwerden aufgrund ihres Alters, zum Beispiel verringertes Reaktionsvermögen oder schlechtes Sehen und Hören, kompensieren sie, indem sie besonders vorsichtig fahren. Sind Senioren in einen Unfall verwickelt, dann eher bei Auffahrunfällen und weniger bei schweren Unfällen.

Ältere Autofahrer haben zudem mehr Erfahrung und erahnen eine Unfallgefahr oft im Voraus. Fahranfängern fehlt dazu einfach die Fahrpraxis.

Eine Ausnahme sind beispielsweise Geisterfahrer, die gibt es unter Jüngeren ebenso wie bei Älteren. Bei der ersten Gruppe sind die Gründe Mutproben oder Suizidversuche, bei der zweiten Gruppe ist Unaufmerksamkeit die Hauptursache.

Senioren fahren vorsichtiger und verursachen u.a. deshalb weniger schwere Unfälle als junge Autofahrer. FOTOS: ARBEITSGEMEINSCHAFT VERKEHRSRECHT DES DAV
Senioren fahren vorsichtiger und verursachen u.a. deshalb weniger schwere Unfälle als junge Autofahrer. 

FOTOS: ARBEITSGEMEINSCHAFT VERKEHRSRECHT DES DAV

Beeinflusst der Wohnort die Sicherheit im Straßenverkehr?

Ja, nach meiner Erfahrung bewegen sich tatsächlich Autofahrer aus Städten sicherer im Verkehr als Fahrer aus ländlichen Gebieten. Stadtautofahrer haben in der Regel mit mehr Verkehrsaufkommen zu rechnen und werden häufiger mit komplexen Situationen konfrontiert, sie sind daher meistens geübter. Landautofahrer haben hingegen oftmals einen einfacheren, monotonen Fahrtweg und weniger Fahrpraxis, zumindest im Stadtverkehr.

Was sind grundsätzlich die häufigsten Unfallursachen in Deutschland?

Eine der Hauptursachen ist Unaufmerksamkeit. Besonders beim Linksabbiegen und bei einem plötzlichen Spurenwechsel führt sie oft zu Unfällen. Außerdem missachten viele Autofahrer die doppelte Rückschaupflicht und Vorfahrtsregeln. Oder sie setzen den Blinker falsch. Eine weitere wichtige Unfallursache ist eine nicht an die Situation angepasste Geschwindigkeit. Dabei geht es nicht unbedingt nur um Raserei, sondern auch um ein situativ zu hohes Tempo, zum Beispiel bei Glätte oder schlechter Sicht.

Jedes Jahr ab März kommt es zudem zu vielen Unfällen mit Motorradfahrern – sie werden von den Autofahrern auch bei eingeschaltetem Licht und bei Tage wegen ihrer geringen Silhouette oftmals schlicht übersehen.

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