Home / Magazin / Dr. Klönschnack / Kongo, Afghanistan, Blankenese

ANZEIGE

Kongo, Afghanistan, Blankenese

PRAXIS-BESUCH

Kongo, Afghanistan, Blankenese

Medizin im Kontrast

Dr. med. Harald Rösner an seinem Arbeitstisch FOTOS: CRISTINA PRINZ
Dr. med. Harald Rösner an seinem Arbeitstisch FOTOS: CRISTINA PRINZ
Dr. Harald Rösner ist Facharzt für Allgemeinmedizin in den Elbvororten. Vor seiner Niederlassung hat er Menschen in aller Welt zu Lande und zur See behandelt.

Wer hierzulande zu einem Allgemeinarzt geht, kann eine umfassende Erstversorgung erwarten. Über das Abhorchen mit dem Stethoskop oder Ausstellen eines Rezepts ist auch ein Labor zur Blutentnahme, ein Ultraschallgerät zur Untersuchung des Bauches und ein EKG zur Messung der Herzfrequenz Standard einer allgemeinärztlichen Praxis. Auch in den Räumen von Dr. Harald Rösner gehören diese Geräte zur medizinischen Grundausstattung.

Für den Allgemeinmediziner war das nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Als er für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ ein halbes Jahr im Kongo verbrachte, musste er mit einfachsten Mitteln arbeiten. „Eine medizinische Infrastruktur war dort nicht vorhanden“, erzählt Dr. Rösner. „Es war mitten im Nichts. Zu Beginn führten wir die Untersuchungen in einer Ruine durch.“ Er fuhr von Dorf zu Dorf, versorgte lediglich mit dem Inhalt einer Arzttasche unterernährte Säuglinge, impfte Kinder und untersuchte Schwangere. Elektrisches Licht war nicht vorhanden. Zum Duschen reichte eine Kelle mit Wasser. „Man muss sich dann eben der Umgebung anpassen. Gleichzeitig weiß man zu Hause vieles mehr zu schätzen – und wenn es nur ein Schalter ist, den man drückt und das Licht geht an. Das ist fantastisch!“

Der einzige Arzt im Umkreis hunderter Seemeilen

Der Aufenthalt im Kongo ist nur einer von vielen ungewöhnlichen Orten, an denen Dr. Harald Rösner schon praktiziert hat. „Ich bin ein neugieriger Typ, der alle Facetten des Lebens kennenlernen will“, sagt der 47-Jährige. So begann er nach einer Ausbildung zum Sanitätsoffizier und anschließendem Medizinstudium als Arzt bei der Marine: „Ich wollte unbedingt zur See fahren“, erzählt Dr. Rösner. „Man ist nicht nur Arzt, sondern bekommt auch einen Einblick in unterschiedlichste Bereiche wie zum Beispiel der Mechaniker und der Nautiker.“ Er war Teil eines Gesamtgefüges – auf der Brücke, im Maschinenraum und bei Gefechtsübungen auf Kriegsschiffen. „Die spannende Herausforderung war, der einzige Mediziner im Umkreis hunderter Seemeilen zu sein“, sagt Dr. Harald Rösner. Eine Verantwortung, die ein breites Wissen in den Fachgebieten genauso wie in der Allgemeinmedizin voraussetzt. Dr. Rösner: „Der Allgemeinmediziner ist der einzige Facharzt, der sich nicht weiter spezialisiert, sondern generalisiert.“ So absolvierte er Stationen unter anderem in der Chirurgie, Inneren Medizin, Anästhesie, Neurologie, Psychiatrie und Notfallmedizin in Krankenhäusern.

„Der Allgemeinmediziner ist der einzige Facharzt, der sich nicht weiter spezialisiert, sondern generalisiert.“ 

Zahnarztpraxis Flottbeker Mühle, Dr. Claudia Kanitz und Dr. Jan Erik Schulz-Walz
Glamour-Ambiente auf der AIDA

Fast drei Jahre war Dr. Harald Rösner auf Fregatten und Schnellboot-Geschwadern unterwegs. Kaum hatte er wieder festen Boden unter den Füßen, schickte ihn die Bundeswehr erst nach Afghanistan, dann in den Kosovo als Hubschrauberarzt. „Das war ein völlig anderes Ambiente. Aber ich lasse mich gerne auf neue Sachen ein“, sagt er. „Wie auch im Kongo sieht man in derartigen Gebieten Erkrankungen in einem Stadium, wie man es hierzulande nicht kennt. Die Behandlung setzt hier viel früher ein.“ 

„Ob nun mit Hunger in Afrika oder mit Rückenschmerzen in Hamburg – jeder leidet für sich.“

Nach 16 Jahren endete die Zeit der Verpflichtung in der Bundeswehr. Dr. Harald Rösner zögerte nicht lange, als er von der Suche nach Ärzten für den Kongo hörte. „Es gibt so viele Menschen, die sagen, sie würden dies oder jenes gerne in ihrem Leben tun“, sagt er. „Ich habe die Chance einfach ergriffen.“ Nach der Zeit im Kongo arbeitete Dr. Harald Rösner in der Notaufnahme des AK Altona. „Die Hightech-Medizin dort war der totale Kontrast zur Basismedizin mit wenigen Mitteln im Kongo.“ Wieder ein Gegensatz war seine Tätigkeit als Schiffsarzt auf der AIDAcara. „So ein Kreuzfahrtschiff hat Glamour-Ambiente“, sagt der Arzt. Mit dem Schiffsarzt in weißer Uniform mit goldenen Streifen ließen sich die Passagiere gerne fotografieren.

„Als Hausarzt muss man auf jede Frage eine Antwort wissen“

Dr. Rösner hat Krankheit und Not in den unterschiedlichsten Teilen der Welt gesehen. „Ob nun mit Hunger in Afrika oder mit Rückenschmerzen in Hamburg“, sagt er, „jeder leidet für sich.“ Es gebe nun mal unterschiedliche Lebensbedingungen auf einem Globus. „Das ist kein Fatalismus, sondern Akzeptanz dessen, was vorliegt“, meint Dr. Rösner. „Aber man kann seinen Beitrag im Alltag leisten. Wie kann ich helfen, wo kann ich Bewusstsein schaffen?“ Dr. Harald Rösner hat vor sieben Jahren in der Praxisgemeinschaft in der Anne-Frank-Straße als Nachfolger von Dr. Helga Beltermann angefangen. Er teilt sich die Räume mit seiner Kollegin Dr. Andrea Müller-Scheven. Über die hausärztliche Versorgung von grippalen Infekten, Bluthochdruck und Diabetes hinaus bietet die Praxis auch unter anderem Reise-, Betriebs- und Ernährungsmedizin an. „Die meisten Beschwerden können wir abfangen“, sagt Dr. Rösner. „Als Hausarzt muss man auf jede medizinische Frage eine Antwort wissen. Und wenn die Antwort ist, dass man den Patienten an einen Spezialisten verweist.“

Mit seiner Patchwork-Familie ist Dr. Rösner in Flottbek sesshaft geworden. Die Arbeit auf hoher See reizt ihn nach wie vor. Doch der Ruf der Familie ist inzwischen lauter als der des Meeres … 

Autorin: Cristina Prinz, textprinz@gmail.com

Über Hamburger Klönschnack