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„Ich war in einer Krise“

BEMERKENSWERTES 

Aus dem Amtsgericht
„Ich war in einer Krise“

Amtsrichterin Ingrid Stegmann fragt stets behutsam und geduldig nach
Amtsrichterin Ingrid Stegmann fragt stets behutsam und geduldig nach
Viele Opfer systematischen Missbrauchs leiden lebenslang. Manche scheiden aus dem Leben. Viele andere kämpfen lebenslang mit den Folgen. Manche landen so wie Roman Deimer* vor Gericht.

Der 1969 in Berlin geborene ehemalige kaufmännische Angestellte musste sich wegen achtfachen Betruges vor dem Blankeneser Amtsgericht verantworten. Der Angeklagte erscheint als das genaue Gegenteil eines gewieften Betrügers. Klein, schmächtig, leicht gebeugt, mit dem Gesichtsausdruck des ewigen Opfers sitzt er demütig schon weit vor der Zeit auf dem Gerichtsflur. Die Vorwürfe, wonach Deimer Reisen und Flüge mit den Kreditkartendaten eines Bekannten im Internet gebucht hat, gibt der Angeklagte unumwunden zu. Mal ging es um eine Kreuzfahrt mit der Reederei Norwegian Cruise, mal um einen Flug von Rom nach Brüssel, dann wieder um eine Kreuzfahrt von Rom nach New York. Welche Reisen er davon tatsächlich angetreten hat, wird in dem Verfahren nicht klar. Fest steht, dass der Angeklagte die acht Betrügereien mit einem Gesamtschaden in Höhe von rund 3.000 Euro in einem Zeitraum von nur drei Wochen beging. Dass die Taten über drei Jahre zurückliegen, macht den Prozess schwieriger als ohnehin. Noch älter sind die ärztlichen Gutachten, die klar machen, dass Roman Deimer seit Langem ernsthafte gesundheitliche Probleme hat.

Wird der arbeitslose Mann nach Einzelheiten des Tathergangs und seinen Motiven gefragt, sind die Antworten kaum verständlich. Mit tränenerstickter Stimme antwortet er so reumütig wie leise. „Es war keine böse Absicht, ich war in einer Krisensituation.“

Mit viel Einfühlungsvermögen und Verständnis reagiert die Richterin auf diesen außergewöhnlichen Fall. So wird dieses Verfahren zum Rückblick auf systematischen Missbrauch, der immer wieder mal bekannt wird. Wesentlichen Anteil daran hat der Anwalt des Angeklagten, der eigens aus Frankfurt angereist ist und sich als besonders guter Kenner erweist, denn der Verteidiger ist in einem Opferverband aktiv.

Fälle wie diese zeigen immer auch die Grenzen unseres Rechtssystems auf. Sehr deutlich wird hier klar, dass ein Mensch zum Täter wurde, nachdem er selbst zum Opfer geworden war. Juristisch kann darauf keine Rücksicht genommen werden. Ein Betrug muss geahndet werden, selbst wenn die Ursache für die Tat im Lebensweg, hier im Missbrauch durch Lehrer, liegt.

So wird Roman Deimer zu einer zwölfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. HS
*Name geändert

VORTRAG
Eremit auf Zeit im Sinai

Volker Nölting auf dem „Dach Ägyptens“
Volker Nölting auf dem „Dach Ägyptens“
Das Loki Schmidt Haus lädt im Rahmen der Sonderausstellung „Ferne Lebenswelten? Pflanzen und Tiere der Bibel“ zu einer virtuellen Reise nach Ägypten ein mit dem Vortrag „Eremit auf Zeit im Sinai – Momente einer Wüsten-Liebe“.

Der begeisterte und erfahrene Wüstenreisende Volker Nölting, langjähriger Mitarbeiter des Biozentrums Klein Flottbek, kombiniert dabei Bilder aus dem heutigen Leben der Beduinen sowie von exotischen Planzen und Tieren der Wüste mit Geschichten seines Engagements und seiner Erlebnisse aus fünf Jahren Sinai- Reisen.

Der Eintritt in das Loki Schmidt Haus im Botanischen Garten und zum Vortrag sind kostenlos, Spenden sind willkommen.

So., 3. September, 15 Uhr
Ohnhorststraße 18 
Klein Flottbek

EHRENAMT
Kultur-AG Rissen sucht Mitstreiter

Fotokurse, Malaktionen, gemeinsamens Musizieren und vieles mehr – dafür macht sich die Kultur-AG in Rissen stark, die sich im Rahmen des Workshops „Bürgerdialog Rissen“ gegründet hat. Ziel ist es, Orte der gemeinsamen und generationsübergreifenden Begegnung zwischen Geflüch – teten und alteingesessenen Rissenern zu schaffen. Das soll kulturelles Verständnis und nachbarschaftliches Miteinander fördern.

Dazu sucht die AG noch Mitstreiter aller Altersgruppen.

Weitere Informationen beim Stadtteilmanagement Rissen unter Telefon 53 05 85 55

SPEIS & TRANK
Sechstes Food Truck Festival auf St. Pauli

Herzhaft genießenFOTO: MARIUS ROEER
Herzhaft genießen

FOTO: MARIUS ROEER
Knapp 30 Food Trucks aus ganz Deutschland reisen an diesem Wochenende nach Hamburg, um die Besucher des Festivals mit den leckersten Kreationen der Street Food-Szene zu verzaubern. Egal, ob Hamburg-Veteranen wie die Burristas, Curry it Up und der Hackbaron oder ecuadorianische Köstlichkeiten von el seco aus Stuttgart, eines haben alle teilnehmenden Food Trucks gemeinsam: wahnsinnig leckeres und abwechslungsreiches Essen, das mit viel Liebe und Leidenschaft zubereitet wird.

7. bis 10. September, Do. 16 bis 23 Uhr, Fr./Sa. 12 bis 23 Uhr, So. 12 bis 19 Uhr Spielbudenplatz, St. Pauli

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